BVEA - Rundschau - Ausgabe 1-2012 zur Startseite -- Ökumene - Dr. Johannes Rehm

Ökumene zwischen enttäuschten Erwartungen und ungebrochener Hoffnung

Berlinskulptur, Bild Elke Lartz

Zu den herausragenden kirchlichen Ereignissen des vergangenen Jahres gehörte zweifelsohne der Deutschlandbesuch von Papst Benedikt XVI. Vor allem progressive Katholiken aus dem Umfeld der „Kirche von unten“ verbanden damit die Erwartung konkreter Fortschritte vor allem bezüglich einer ökumenischen Mahlgemeinschaft zwischen evangelischer und katholischer Kirche.

Trotz aller freundlich-geschwisterlichen Worte und Gesten des Papstes in Richtung evangelischer Kirche - diese hochgesteckten Erwartungen wurden in der Tat enttäuscht.

Wer die Entwicklungen in der Römisch - Katholischen Kirche und die öffentlichen Auftritte ihrer obersten Repräsentanten in den letzten Jahren aufmerksam verfolgte, wird schwerlich vom mageren ökumenischen Ertrag des Papstbesuches überrascht gewesen sein.

Doch was bedeutet dieser - zumindest was die Frage von Abendmahls- und Kirchengemeinschaft angeht - ökumenische Stillstand für unseren Arbeitsbereich einer arbeitsweltlichen Kirche, wo auch bei uns im katholischen Bayern eine enge geschwisterliche Kooperation unserer „Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen“ (afa) und der „Katholischen Arbeitnehmerbewegung“ (KAB) gepflegt wird?

Auch auf der Ebene von katholischer Betriebsseelsorge und Kirchlichem Dienst in der Arbeitswelt wird im allgemeinen gut, gern und eng zusammengearbeitet. Diese vertrauensvolle Zusammenarbeit hat eine erfolgreiche und lange Tradition seit dem 2. Vatikanischen Konzil und sie geschieht auf einer soliden theologischen Basis. Damit meine ich das gemeinsame Sozialwort der Kirchen von 1997, welches über eine weitreichende Übereinstimmung zwischen katholischer Soziallehre und evangelischer Sozialethik in sozial- und wirtschaftsethischen Fragen hinaus eine tief gehende Gemeinschaft im Glauben zwischen evangelischer und katholischer Kirche zur Sprache bringt.

gelebte Hoffnung - Zukunft für alle

So betont das gemeinsame Wort das Ineinander und Beieinander von Gottesliebe und Nächstenliebe übereinstimmend als Zentrum christlicher Ethik. Eine so weitgehende Übereinstimmung in der christlichen Ethik, wie sie im Sozialwort so eindrucksvoll zum Ausdruck kommt, ist letztlich nur möglich, wenn sie auf einer grundlegenden Übereinstimmung im christlichen Glauben selbst basiert.

Dieses Sozialwort ermutigt uns, als Vertreter einer arbeitsweltlichen Kirche eine ökumenische Vorreiterrolle einzunehmen. Wir können und sollen ökumenische Gemeinschaft leben und so eine ökumenische Entwicklung vorwegnehmen, die in anderen kirchlichen Arbeitsfeldern noch nicht möglich zu sein scheint, aber letztlich insgesamt unaufhaltsam auf uns zukommt.

Denn Gott selbst will die Einheit seiner Jüngerinnen und Jünger. (vgl. Joh. 17,20ff.) Ja, viel mehr: In Jesus Christus ist die Einheit der Kirche bereits gegeben und unsere Verantwortung ist es, diese Einheit in unserem praktischen Tun nun auch zu leben. Einheit bedeutet beileibe dabei keine Einheitlichkeit im Sinne von Uniformität.

Pfarrer Dr. Johannes RehmDie Verschiedenheit der Konfessionen macht vielmehr nicht zuletzt den Reichtum der Kirche Jesu Christi aus, wenn es sich um eine in und durch Jesus Christus versöhnte Verschiedenheit handelt. Denn, wenn die Kirchen sich auch in ihrer Praxis entschieden allein an ihrem Herrn ausrichten, dann, da bin ich mir ganz sicher, wird ökumenische Abendmahlsgemeinschaft für alle sichtbar erreicht sein.

Bis dahin ist es gerade unsere Sache als arbeitweltliche Kirche so viel Ökumene mit unseren Partnern zu leben, wie nur irgend möglich.

Auf der Grundlage des Sozialwortes der Kirchen sind wir befähigt und beauftragt zu einer ökumenischen Vorreiterrolle, denn Enttäuschung hilft niemandem, aber gelebte Hoffnung eröffnet Zukunft für alle.

Bild und Artikel: Dr. Johannes Rehm

Pfarrer Dr. Johannes Rehm (geb. 1957) leitet seit 2006 den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Zuvor war er viele Jahre Studentenpfarrer in der katholischen Bischofsstadt Bamberg. Er hatte u.a. an der Päpstlichen Universität Anselmianum in Rom studiert.

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