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Gesellschaft - Kirche - Ratsvorsitz
BVEA - Rundschau Ausgabe 3-2009 zur StartseiteKatholische und evangelische Kirche beziehen gleiche Positionen - Dr. Gerhard Kühlewind

Ruf nach Weltautorität

Katholische und evangelische Kirche beziehen gleiche Positionen

In der Enzyklika „Caritas in Veritate“ (Liebe in Wahrheit), die im Juli 2009 genau der Öffentlichkeit präsentiert wurde, fordert Papst Benedikt XVI, Ethik, Würde und das Streben nach dem Allgemeinwohl zur Grundlage der globalisierten Wirtschaft zu machen. Gier habe den schlimmsten Abschwung seit der großen Depression herbeigeführt. Zur Lösung der globalen Probleme sei „das Vorhandensein einer echten politischen Weltautorität“ dringend nötig.

Menschenfreundliche Ethik

Scharf geht der Papst mit den Praktiken an den Finanzmärkten ins Gericht: „Die Finanzmakler müssen die eigentlich ethische Grundlage ihrer Tätigkeit wieder entdecken, um nicht jene hoch entwickelten Instrumente zu missbrauchen, die dazu dienen können, die Sparer zu betrügen.“ Weiter heißt es: „Die ausschließliche Ausrichtung auf Gewinn läuft, wenn dieser auf ungute Weise erzielt wird und sein Endzweck nicht das Allgemeinwohl ist, Gefahr, Vermögen zu zerstören und Armut zu schaffen.“

Die Wirtschaft brauche „für ihr korrektes Funktionieren die Ethik; nicht irgendeine Ethik, sondern eine menschenfreundliche Ethik“. Zwar habe die Globalisierung Milliarden Menschen aus dem Elend befreit. Doch das ungezügelte Wachstum habe in den vergangenen Jahr auch beispielslose Probleme hervorgerufen, wie Migrationsströme, Umweltverschmutzung und den vollständigen Verlust von Vertrauen in den Markt.

Die Forderungen und Einsichten der Enzyklika „Caritas in Veritate“ decken sich weitgehend mit den Verlautbarungen der Evangelischen Kirche der letzten Zeit.

In den neuen „Sozialethischen Überlegungen“ des Bundesverbandes Evangelischer Arbeitnehmerorganisationen (BVEA) mit dem Titel: „Arbeit, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung – Antworten evangelischer Arbeitnehmer auf die globale Krise“ heißt es:

„Wir gehen davon aus, dass Gewinn- und Leistungsstreben prinzipiell keine Fehler, sondern sogar Motor unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung sind. Jedoch muss das unternehmerische Denken und Handeln von einer stärkeren moralischen Verantwortung geprägt sein, die nicht das Kapital sondern den Menschen in den Mittelpunkt rückt.
Leitmotiv muss sein: Nicht der Mensch ist für die Wirtschaft da, sondern die Wirtschaft für den Menschen.
Konkret bedeutet das insbesondere auch, dass das immer stärker Auseinaderklaffen der Schere zwischen Arm und Reich verringert wird. Nicht zuletzt muss die Ökologie die Ökonomie bestimmen, um durch eine ressourcenschonende Produktion die Schöpfung bewahren zu helfen. Nur solche Orientierungen garantieren ein nachhaltiges Wirtschaften, das ein Überleben der Menschen im Einklang mit der Natur sichert.“

Anfang Juli stellte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, das „Wort des Rates der EKD zur globalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise“ vor, das die Herausforderungen an Wirtschaft, Politik und Gesellschaft – national wie global – eher noch schärfer formuliert als die Enzyklika. “Wir brauchen einen Werteaufschwung“ lautet auch hier die zentrale Forderung.

Die wichtigste Frage sei, „ob wir aus der Erschütterung irgend etwas gelernt haben“, denn noch sei „nicht ausgemacht, ob internationale Kontrollinstitutionen so ausgebaut und ausgestattet werden, dass sie mit der Dynamik der globalen Finanzmärkte Schritt halten.“

Katholische und evangelische Kirche ziehen ganz offenkundig wieder einmal gemeinsam an einem Strang – insofern hat die Krise zumindest eine positive Seite!

Dr. Gerhard KühlewindDr. Gerhard Kühlewind

  • zur pdf-Datei(1.89MB): Sozialethischen Überlegungen“ des Bundesverbandes Evangelischer Arbeitnehmerorganisationen (BVEA) mit dem Titel: „Arbeit, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung – Antworten evangelischer Arbeitnehmer auf die globale Krise“

 

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