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BVEA - Rundschau Ausgabe 3-2009 zur StartseiteHistorischer Meilenstein: Eine Frau an der Spitze der Evangelische  Kirche - Dr. Gerhard Kühlewind

Historischer Meilenstein

Eine Frau an der Spitze der Evangelischen Kirche - Synode und Kirchen-konferenz der EKD wählten im Oktober in Ulm die Landesbischöfin der Evangelischlutherischen Kirche Hannovers, Margot Käßmann, mit deutlicher Mehrheit zur Nachfolgerin von Wolfgang Huber.
Margot Käßmann erzielte 132 von 142 abgegebenen Stimmen. Zu ihrem Stellvertreter wurde der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, gewählt.

An der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland steht seit Oktober erstmals eine Frau. Eine Frau, die sich durchgesetzt hat in der männlichen Welt der Kirchenleitungen, die vier Kinder hat und geschieden ist. Es ist ein historischer Meilenstein in der Geschichte des deutschen Protestantismus. In Anlehnung an Sönke Wortmanns aktuellen Spielfilm könnte man sagen, Margot Käßmann ist nun Päpstin, doch sie hat eben nicht ihr Geschlecht verleugnen müssen, um in dieses hohe Amt zu gelangen.

„Rom verhandelt mit den Piusbrüdern, die Protestanten öffnen sich der Welt. Mit Margot Käßmann an der Spitze kann die evangelische Kirche neue Kraft gewinnen.“ So lautete die Überschrift eines Kommentars von Matthias Drobinski in der Süddeutsche Zeitung. Ein Blick auf die neuere Geschichte der Evangelischen Kirche zeigt das wahrhaft historische Ausmaß dieser Wahl.

Sie wurde gewählt, weil sie authentisch ist

In Bayern z.B. durften Frauen erst ab 1975 - später als in den anderen Landeskirchen - überhaupt Pfarrerinnen werden! Margot Käßmann, 51 Jahre alt, hat erst vor ein paar Wochen ein Buch veröffentlicht, das viel von ihr erzählt. Es handelt von der „Mitte des Lebens“, von Frauen um die 50, von gelingenden und scheiternden PartnerschaftenPartnerschaften, von Kindern, die aus dem Haus gehen, Eltern, die gepflegt werden müssen, von unvollendeten Karrieren und der Menopause. Sie beschreibt darin auch ihre eigenen Grenzen: Die Erschöpfung der vierfachen Mutter mit Beruf, die Angst, als sie an Brustkrebs erkrankte, der Schmerz der Scheidung. Die Synode hat sie aber auch gewählt, weil sie authentisch ist, weil sie die Brüche ihres Lebens nicht verschweigt. Die Menschen können sich mit ihr identifizieren. Nicht allen in der evangelischen Kirche gefällt diese Entscheidung. Kritiker fürchten, dass die Ökumene mit den Katholiken schwieriger wird. Ich teile diese Befürchtungen nicht, im Gegenteil. Ich bin stolz darauf, dass unsere Kirche diesen Schritt geschafft hat, entspricht er doch durchaus der Maxime Martin Luthers, dass sich die Kirche ständig erneuern müsse („ecclesia semper reformanda“).

Unsere Kirche steht vor massiven Herausforderungen. Politisch wach muss die EKD bleiben. Antworten werden gesucht, auf die Finanz- und die langfristig gefährlichere Ernährungs- und Klima-Krise. Es geht um Urchristliches: den Erhalt der Schöpfung. Da braucht es klare Wortmeldungen. Margot Käßmann könnte sie liefern.

Dr. Gerhard Kühlewind

 

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