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BVEA - Rundschau Ausgabe 3- 2009 - small logo60 Jahre Gewerkschaftsbund
Wichtig wie nie! Die Gewerkschaften - Werner Künkler

60 Jahre Deutscher Gewerkschaftsbund

Wichtig wie nie! Die Gewerkschaften

Wenn der Deutsche Gewerkschaftsbund und seiner unter dem Dach des DGB vereinten Einzelgewerkschaften, sein 60 jähriges Bestehen feiert, so ist es inder Tat wieder einmal sehr wichtig geworden auf das Wirken, auf die Erfolge, aber auch die Mißerfolge des DGB hinzuweisen.

 
Scholz-DGB-Berlin-Brandenburg
1. Mai Demo - Redner Scholz-DGB-Berlin-Brandenburg

Historisch gesehen, waren es nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands 1945 die vielen Branchen- und Einzelgewerkschaften die unter der Aufsicht der alliierten Siegermächte die ersten in Deutschland, die wieder ihre Arbeit aufnahmen, mit fast allen demokratischen Grundrechten.

So waren die Bestrebungen auch der Richtungsgewerkschaften, wie z.B die Liberalen, die Christlichen und die freien Gewerkschaften ein gemeinsames Dach zu schaffen, ein richtiger Schritt. Gelernt hatte man aus der Geschichte, daß die Uneinigkeit, in den Zielen und der politischen Richtungen vor 1933 sowie Arbeitslosigkeit und die Not der Arbeitnehmer der NS Partei 1933 den verhängnisvollen Weg geebnet haben. Hinzu kam, daß alle gesellschaftlich relevanten Gruppen, besonders die Industriemagnaten der Schwer- und Rüstungsindustrie mit ihrem rücksichtlosen Profitstreben dabei halfen, die Gewerkschaftsbewegung zu zerschlagen.

Die neue Gewerkschaftsbewegung sollte in weltanschaulicher und religiöser Hinsicht unahängig und tolerant sein. Parteipolitischer Richtungen, wie es sie vor 1933 gab sollten nicht restauriert werden.

Die Entwicklung in der damals sowjetisch besetzten Zone nahm mit der Gründung der DDR eine andere Entwicklung. Mit der Gründung des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes, wurde die Gewerkschaftsbewegung der DDR ein Anhängsel der SED und war damit nicht mehr politisch neutral.

Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland kam es folgerichtig in Oktober 1949 nach heftigen Diskussionen zur Gründung des deutschen Gewerkschaftsbundes. Der damals neu gegründetet Gewerkschaftsbund hatte auch in der Industrie besonders der Schwerindustrie, die durch die Demontagen der Besatzungsmächte in ihrer Produktionssubstanz am Boden lag, eine positive Lobby. Beispiel sei der Brief des Vorstandsvorsitzenden der Gutehoffnungshütte, Oberhausen, Reusch, der ein Mitbestimmungsgesetz forderte. Von hohen Idealen geprägt nahm man aus der Weimarer Verfassung einiges mit. Das Kapital kann nur durch die Arbeit der Menschen eine nützliche, wirksame Rolle spielen, es darf deshalb in den Betrieben nicht allein bestimmend sein. Wir fordern daher die verantwortliche, soziale, personelle und wirtschaftliche Mitbestimmung in den Betrieben der Wirtschaft.

Von daher gesehen startete man einen echten, das Ganze im Auge behaltenden Neubeginn.

Soziale, personelle und wirtschaftliche Mitbestimmung

Schnell wurde ein nie gekannter Einfluß in Gesellschaft und Politik erreicht. Die Einheit der Kohle und Stahlindustrie wie sie im Montangesetz für Westeuropa festgelegt wurde, verschaffte dem DGB innerhalb der montanmitbestimmter Betriebe eine hohe Effizienz und Ansehen.

Am 24.5.1949 wurde die Mitbestimmung in die Kompetenz d.h. der gesetzlichen Regelung des Bundestages übertragen. Mit dem deutlich spürbaren Wirtschaftsaufschwung in der Bundesrepublik regten sich schon 1950 ewig gestrige Konservative und liberale Politiker und baten das Wirtschaftsministerium die Mitbestimmung in der Kohle und Stahlindustrie wieder abzuschaffen. Die Gewerkschafsbewegung erhielt Kenntnis davon und fand einen Konsens aller politisch fortschrittlichen Kräfte besondes in der SPD, diese Vorhaben abzuschmettern.

Aber es war der Beginn einer neuen Frontenstellung zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften. In den folgender Jahren griff der DGB deshalb auch zunehmend in politische Debatten ein. 1955 gegen die Wiederbewaffnung, 1957 gegen die atomare Bewaffnung der BRD, 1969 gegen die Notstandsgesetze, 1966 wurde das Verbot der NPD angestrebt.

Mit dem Betriebsverfassungsgesetz von 1959 und dem paritätischen Mitbestimmungsregelung von 1976 wurden Regelungen gefunden, die zwar Einschränkungen beihalteten, jedoch Gewerkschaften und ihren Organisationen klare Rechte im Betrieb in den Organen der Aufsichtsräte aufzeigten.

Die Gewerkschaften haben bis auf den heutigen Tag unterschiedliche Meinungen innerhalb ihrer Organisationen auszuhalten, sie schwanken dabei immer wieder zwischen Tradition und Anpassung.

Gerade das letztgenannte, die Anpassung zum Wohle einer funktionierenden Volkswirtschaft und den Betrieben, wie sie in wirtschaftlichen schwierigen Zeiten oft von Unternehmern gefordert wird, hat die Gewerkschaften oft in Bedrängnis bei ihrem Mitgliedsbestand gebracht. Die FDP wollte die gewerkschaftliche Macht, d.h. die Mitbestimmung nur auf den Betrieb und über die Beriebsräte beschränken. Auch hier fanden die Gewerkschaften kluge und zukunftsweisende Tarifverträge so z.B. die Öffnungsklauseln innerhalb von Tarifverträgen, des es in Not geratenen Betrieben gestatten, auch weniger Lohn zu zahlen. Geschickte Tarifpolitik hat Nettolohnverluste im Rahmen gehalten, während Gewinnspannen der Unternehmen in zweistelligen Raten explodierten. Deshalb steht der DGB und seine Gewerkschaften vor der größten Herausforderung seit Jahren. Die von einer schamlosen Gier der internationalen und einiger deutscher Banken herbeigeführte Finanz- und Wirtschaftskrise, mit der die Gewerkschafen weder in einer verfehlten Tarifpolitik noch mit mangelder wirtschaftlicher Vernunft zu tun haben, macht ihnen mit der steigenden Arbeitslosigkeit, sowie der Agenda 2010 mit ihren unerträglichen Regelungen des Hartz 4 Gesetzes, daß ausgerechnet von einer sozialdemokratisch geführten Regierung eingeführt wurde, ihr Existenz und ihr Wirken zum Wohle ihrer Mitglieder unerträglich schwer.

Deshalb braucht der DGB gerade in dieser Zeit neben dem solidarischen Verhalten seiner Mitglieder, die größte Unterstützung der Gesellschaft, der Politik, der Kirchen und aller gesellschaftlich relevanten Gruppen. Die Evangelische Arbeitnehmerbewegung hat immer auf eine positive Wechselwirkung, wie z.B. bei der Pflegeversicherung gesetzt und unterstützt die Gewerkschaften ohne Kompromisse mit der Forderung nach Mindestlöhnen. Die Mitbestimmung in den Sozialversicherungen wird zum Teil gemeinsam wahrgenommen. Mahnend und warnend kann man nur an den Gruppen der ewig gestrigen raten die am liebsten die Gewerkschaften klein halten wollen, daß sie dabei zu Totengräbern der sozialen Gerechtigkeit, des sozialen Friedens und der freiheitlichen Grundwerte unserer Demokratie werden. Es ist den Gewerkschaften und ihren Mitgliedern auch für die Zukunft zu wünschen, daß sie ihre wichtigen Aufgaben und Funktionen innerhalb unseres demokratischen Gemeinwesen weiterhin erfolgreich gestalten können. Wir alle sind mit verantwortlich. Herzlichen Glückwunsch und alles Gute für die Zukunft.

Werner Künkler stellvertretender Vorsitzender des BVEA, Landesverbandsvorsitzender EAB NRW

 

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