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BVEA - Rundschau Ausgabe 3-2009 zur Startseite Gesellschaft - Glauben - Jesus suchte die sozialen, kulturellen und religiösen Wunden zu heilen - Dr. Christian Homrichhausen

Jesus suchte die sozialen, kulturellen und religiösen Wunden zu heilen

Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich. (Joh 14, 1)

Unvorhergesehene Ereignisse und unerwartete Geschehnisse erschrecken Menschen. Gewohnheiten und Selbstverständlichkeiten geraten ins Wanken. Nicht nur Vorgänge im Nahbereich eines Menschen können Erschrecken auslösen. Das Bewusstsein ist gewachsen, dass die Lebensbedingungen und Lebensverhältnisse der Menschen auf der Erde aufeinander einwirken und einander bedingen.

Sowohl Nachrichten, die epochale Veränderungen signalisieren als auch Meldungen, die menschliche Hilflosigkeit zeigen, können Erschrecken auslösen, wie z. B. Naturkatastrophen, die ohne Vorwarnungen auftreten. Auch Vorhersagen zum Anstieg der Meeresspiegel erschrecken angesichts der zu erwartenden Folgen. Und die Meldung des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung kann erschrecken, dass die Arbeit in gemeinnützigen Verbänden und Einrichtungen zunehmend prekärer wird, weil diese in den Niedriglohnsektor abzuwandern drohen.

Sicherlich hat Jesus nicht diese Beispiele vor Augen gehabt, als er seinen Jüngern befahl den Affekt des Erschreckens nicht zuzulassen. Er hatte seinen Jüngern gesagt, dass er nicht mehr lange unter ihnen sein werde, so dass Furcht vor der Zukunft, Beteuerungen unverbrüchlicher Treue und Unverständnis die ersten Reaktionen der Jünger waren. Jesus nimmt die Gefühlsäußerungen seiner Jünger wahr. Er spricht sie an, um sie abzuwehren. Dann schließt er eine Regel an, mit der die Jünger ihre Affekte nicht nur unter Kontrolle bringen, sondern sich ihnen auch neue Lebenszuversicht erschließt: Sie sollen an Gott und ihn glauben.

Darüber hinaus fordert Jesus den Glauben an ihn. Den Grund gibt das Johannesevangelium an vielen Stellen an. Durch Jesus selbst erschließt sich den Jüngern Gott. Sie lernen den ihn Bekannten neu kennen und sie erwerben Erkenntnisse, die zur Gewissheit des Glaubenden werden, ohne dass dies in ein tatsächliches Begreifen übergehen kann. Aus dieser Glaubensgewissheit geht ein neues Leben hervor, weil es dem Gebot Jesu folgt: liebet einander, wie ich euch geliebt habe. Noch zu Lebzeiten Jesu verstieß der Jünger Petrus gegen dieses Gebot, indem er Jesus verleugnete; dennoch blieben die Jünger nach Jesu Tod zusammen.

Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich. (Joh 14, 1)

Schrecken und Verzagtheit können überwunden werden, wenn eine neue Sicherheit gefunden wird bzw. eine alte Sicherheit sich durchgehend als tragend erweist. Luther erklärt den Ausspruch so: „Hier gebietet der Herr selbst, dass wir guten Mutes und unverzagt seien. Denn wir wissen, wo wir bleiben sollen, und brauchen nicht für die Herberge oder Wohnung zu sorgen.“ (Auslegung vieler schöner Sprüche göttlicher Schrift, WA 48, Nr. 28).

Auch ein Mensch, den ein solcher fester und beständiger Glaube auszeichnet, kann durch ein Ereignis so erschreckt werden, dass er gleichsam zu Boden gedrückt wird. Aber er wird sich immer wieder aufrichten, obwohl dies für ihn mit Mühsal und Schwierigkeiten verbunden ist. Er wird die Abfolge von Erschrecken, Verzweiflung und träger Ergebenheit in das, was ist, doch durchbrechen. Calvin sagt dazu: Die Gläubigen „treiben ihren Kampf immer weiter, gehen mit ihren Gebeten scharf gegen ihre Trägheit an, damit sie nicht etwa durch Nachsicht gegen sich selbst stumpf werden!“ (Calvin, Inst. III, 2,17) Ein solcher Kampf ist all denen zu wünschen, die menschliche Fehler, Irrtümer, Schwächen und Fehlleitungen bekämpfen, die Auslöser von Schreckensnachrichten sind.

Aber die Glaubensgewissheit löst sich auch dann nicht auf, wenn menschliche Beharrlichkeit an ihr Ende gerät, weil die menschlichen Einflussmöglichkeiten unzureichend sind oder die Auslöser von Katastrophen der Beherrschung durch den Menschen entzogen sind. Wenn wir zu Weihnachten die Geburt Jesu feiern, mit der Gott Mensch geworden ist, erinnern wir daran, dass Gott sich selbst den Begrenzungen menschlicher Existenz unterworfen hat. Als erwachsener Mann suchte Jesus die sozialen, kulturellen und religiösen Wunden zu heilen, die sich in seinem Volk aufgetan hatten. Die feindlichen Reaktionen seiner Umwelt veranlassten ihn nicht zu gewaltsamen Zornesausbrüchen, sondern er starb den Tod eines Menschen. So wie Jesus will auch Gott nicht mit uns zürnen will, wenn Erschrecken uns betroffen hat.

 

Dr. Christian Homrichhausen, Theologischer Berater des BVEA

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