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Evangelische Arbeitnehmerschaft Berlin - Brandenburg

 


Billig ist teuer

Soziale Netzwerke und Filialpartnerschaften/
EAN Berlin-Brandenburg unterstützt ver.di

Werner Trautwein

"Billig ohne Verluste" ist das Motto von Billigdiscountern wie Lidl, Aldi und Schlecker. Sie nutzen die Angst ihrer Beschäftigten vor der Arbeitslosigkeit und setzen sie mit entwürdigenden Methoden unter Druck. Vor einem halben Jahr veröffentlichte die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ein so genanntes "Schwarzbuch" zu dem von Dieter Schwarz geführten Discounter Lidl. Es deckt Missstände in Filialen auf. Jetzt initiiert ver.di soziale Netzwerke und Filialpartnerschaften. Sie sollen Beschäftigte vor Repressalien schützen. Unterstützung bekommt die Gewerkschaft auch von kirchlichen Gruppen wie der Evangelischen Arbeitnehmerschaft Berlin-Brandenburg (EAN).

Prozente - Bild Elke Lartz

Wir Konsumenten wollen alles und das sofort: niedrige Preise bei Elektronik, Lebensmitteln, Kleidung und so weiter. Wir wollen billig und Beratung, günstig und Geschmack, Superangebote und Sicherheit. Für Millionen Menschen ist die Suche nach günstigen Angeboten zu einer existenziellen Frage geworden. Erwerbslose, Sozialhilfeempfänger und zum Teil Beschäftigte aus dem Niedriglohn-Sektor müssen jeden Cent umdrehen. Sie sind keine Schnäppchenjäger, Armut und Arbeit schließen sich längst nicht mehr aus. Der Billigst-Boom, an dem sich selbst Warenhäuser und kleine Fachgeschäfte selbstmörderisch beteiligen, hat Folgen. In Dauer-Rabattschlachten werden gigantische Werte zerstört. Ein Arbeitsplatz bei einem Discounter vernichtet im Schnitt zwei Arbeitsplätze im traditionellen Handel. Diese Konzerne profitieren von der Armut und erzeugen sie zugleich. Dazu drücken sie auf die Existenzbedingungen der Produzenten. Sie zwingen ihren Lieferanten Einkaufspreise auf, die die Produktionskosten kaum mehr decken. Alles billiger kaufen zu wollen, hat einen zu hohen Preis.

Das Prinzip "Billig auf Kosten der Beschäftigten" ist in Verruf geraten. Das Lidl-Schwarzbuch von ver.di hat die Missstände hinter den Kulissen zu Tage gefördert. Beschäftigte werden unter Druck gesetzt, viele Stunden mehr zu arbeiten als bezahlt werden, sie werden wie Untergebene behandelt und ständig kontrolliert. Weil ein Betriebsrat sich dagegen wehren könnte, verhindert Lidl die Bildung von Betriebsräten. Die gibt es nur in acht von 2.600 Filialen. Zur Debatte stehen auch die Verhältnisse bei Aldi, Norma und Schlecker. Die Gewerkschaften konzentrieren sich erst einmal auf Lidl, wollen aber auch die anderen Billiganbieter in die Pflicht nehmen. Bei Schlecker gab es bis vor zwei Jahren in den Filialen nicht mal ein Telefon, um bei einem Notfall Hilfe rufen zu können.

ver.di attackiert die milliardenschwere Handelsgruppe des deutschen Unternehmers Dieter Schwarz. Die Kritik sorgt für öffentliches Aufsehen und hektische Nervosität bei den Konzernlenkern. Der Jahresumsatz liegt bei 36 Milliarden Euro. Eine geschätzte Zahl, da keine Jahresabschlüsse veröffentlicht werden.

Warum gerade Lidl? Was menschenunwürdige Arbeitsbedingungen angeht, steht Lidl an der Spitze. Viele Versuche, Interessenvertretungen zu wählen, wurden durch offene Einschüchterung und versteckte Drohungen im Keim erstickt. In der Mehrheit der Läden - nicht in allen - herrscht Angst. Wer dem Leistungsdruck nicht mehr standhält, der läuft schnell Gefahr, aussortiert zu werden.

 Betriebsräte gibt es nur in acht von 2.600 Filialen

Zur Lidl-Kampagne gehört es, soziale Netzwerke in Städten und Gemeinden zu knüpfen. Es geht in erster Linie um Lidl und die Discounter. Aber gleichzeitig soll eine wirtschaftsliberale Logik angegriffen werden, die darauf abzielt, dass unter dem Motto "Immer billiger" die Sozialstandards im Handel und anderen Branchen weiter abgebaut und völlig zerschlagen werden.

Die Gewerkschaften setzen der wachsenden sozialen Kälte in dieser Gesellschaft praktische Solidarität entgegen. Nicht alle Lidl-Beschäftigten werden die Gewerkschaft automatisch als etwas für sie Positives ansehen. Achtung bei Kontaktaufnahme: Persönliche Bekanntschaften zu Kunden sind von der Leitung unerwünscht. Die Evangelische Arbeitnehmerschaft (EAN) ist Bündnispartner von ver.di. Unsere ausgehängten Einladungen zu Treffen wurden im Umfeld der Lidl-Filiale kurzerhand abgerissen.

Werner Trautwein, Vorsitzender
Evangelischen Arbeitnehmerschaft EAN
Berlin-Brandenburg

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