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Ethik als Unternehmensmotor

Christliche Orientierung angesichts wirtschaftlicher Krisen und Veränderungsdynamik. / Erste Christliche Wirtschaftskonferenz

Im März 2004 fand in Oberhausen die 1. Christliche Wirtschaftskonferenz statt. Mehr als 700 Teilnehmer, darunter 80 Aussteller, kamen zu der ganztägigen Veranstaltung in die Stadthalle. Dem neu gegründeten Trägerkreis gehören mehr als acht christliche Unternehmervereinigungen sowie die örtliche evangelische und katholische Kirche an.

Die Initiatoren richteten sich an mittelständische Unternehmen und deren Führungskräfte. Es ging um christliche Orientierung und Vergewisserung angesichts wirtschaftlicher Krisen und Veränderungsdynamik. Beklagt wurden der Verlust christlicher Werte, Vertrauensverlust, unternehmerische Verantwortungslosigkeit, Killerwettbewerb und zunehmender Betrug. Angesichts dessen empfanden die Teilnehmer die Konferenz als Ermutigung und Rückhalt. Der Vorsitzende der Konferenz, der Oberhausener Unternehmer Horst Lenord, sprach von einem "Segensraum für jeden" und "Ermutigung für die Geschäftswelt". Er begrüßte unter anderen den Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland Nikolaus Schneider, die Bundestagsabgeordnete Marie-Luise Dött (CDU), die NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) sowie führende Vertreter der IHK und mittelständischer Unternehmen. Gleichzeitig zur Konferenz fand eine Christliche Kooperationsbörse statt mit dem Ziel, auf der Grundlage christlicher Werte Geschäftsbeziehungen zu knüpfen und zu verstärken.

Gewinnerzielung eine soziale Pflicht

Die Problembeschreibungen und Lösungsvorschläge waren keineswegs homogen. Sie reichten von fundamentalistischen Bekenntnissen ("mit Gott den Stürmen widerstehen") über detaillierte Analysen der wirtschaftlichen Veränderungen bis zu Strategien der Unternehmensführung auf christlicher Basis (Kapitalbeteiligung der Beschäftigten, partnerschaftliche Unternehmensstrukturen, Beachtung des Humankapitals, Führung statt Herrschaft). Beeindruckend zeichnete der Managementberater und frühere Direktor der BASF, Dr. Siegfried Buchholz ,das Profil einer Führungspersönlichkeit mit christlichem Selbstverständnis. Durchgängiger Konsens war die Feststellung, dass für Leben und Wirtschaften die christliche Ethik unverzichtbar ist und langfristig nicht falsch sein kann. Gegen Wirtschafts- und Unternehmensfeindlichkeit in christlichen Kreisen wandte sich Marie-Luise Dött mit dem Hinweis, dass "fromm und erfolgreich" keine Gegensätze seien und Gewinnerzielung eine soziale Pflicht sei. Christoph Keese forderte, Wachstum als positiven Wert anzuerkennen.

Nikolaus Schneider sorgte immer wieder für ein sozialethisches Korrektiv. Er warnte davor, den Glauben zu instrumentalisieren. Auch gegenwärtige Veränderungen seien als Herausforderungen anzunehmen im Sinne eines Prozesses der Schöpfung und der Menschengerechtigkeit. Eindeutig sprach er sich gegen das Gesetz der Gnadenlosigkeit aus und gegen den Rückzug aus der Verantwortung für das Gemeinwesen. Wörtlich: "Auch das Gemeinwesen muss finanziert werden. Die Wirtschaft kann nicht allein die Maßstäbe setzen."

Helmut Faber, EAB Oberhausen

Inhalt Archiv / Ausgabe BVEA Rundschau 2-2004


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