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BVEA Rundschau Ausgabe 1 - 2004


Zum Geleit

Drohen uns amerikanische Verhältnisse?

Soziale Gerechtigkeit: Das unfassbare an einer Standardfloskel

Das neue Jahr begrüßt uns mit den Sorgen des alten. Politik und Wirtschaft haben Schwierigkeiten mit ihren Finanzen. Ihre Entscheidungen nennen sie "Reformen". Diese unterliegen dem Maßstab der Nützlichkeit und des Vorteils. Doch das, was für den Menschen gut ist, droht dabei aus dem Blick zu geraten. Das ist ein Mangel an sozialethischem Denken. Der Begriff dafür, die Soziale Gerechtigkeit, hat an Bedeutung verloren.

Der Mangel an Standfestigkeit und Überzeugtheit von den Grundsätzen der Sozialen Gerechtigkeit wird jedem Zeitungsleser täglich klar. Wie schnell und leicht werden Prinzipien, die gestern noch hoch und heilig beschworen wurden, schnell über Bord geworfen. Und wenn diese Volksparteien, die sich nur schwerfällig wie Tanker der Interessengruppen bewegen, auch noch den Konsens miteinander suchen, werden die Interessen der Schwachen und Armen als letzte berücksichtigt. Ein ähnliches Spiel aus dem Arbeitsleben zeigt, wie aus Menschen "Menschenmaterial" wird. Eine große internationale Firma, manchmal auch als "Elektroladen" bespöttelt, musste die Kündigung von 400 Mitarbeiterinnen zurücknehmen, nachdem die Klage dagegen durch den Betriebsrat beim Arbeitsgericht erfolgreich war. Mir geht es nicht um die Rationalität der Firma, den Profit oder den Shareholder-Value, sondern ich möchte vom weiteren Schicksal dieser 400 sprechen. Nach dem Gerichtsbeschluss musste die Firma sie wieder einstellen. Doch diese gab ihnen keinen Arbeitsplatz, kein Büro oder einen Schreibtisch. Sie wurden quasi von der Firmenleitung gemobbt. Ein im wahrsten Sinne unwürdiger und unerträglicher Zustand. Diese bezahlten, aber an der Arbeit von der Firma selbst gehinderten, arbeitslosen Mitarbeiter/innen sind alles hoch qualifizierte Fachleute. Was mag bei diesen 400 vor sich gehen? Und wie werden die Kollegen und Kolleginnen durch dieses Beispiel unter Druck gesetzt und abgeschreckt? Das Klima jeglicher Kollegialität ist kaputt. Eine allgemeine depressive Stimmung ist die Folge.

Früh im Leben "soziale Netze" knüpfen

Dazu passen die Überlegungen von Professor Hengsbach zu der Gerechtigkeit zwischen den Generationen. Ziel der Politik muss nach unserer gemeinsamen Auffassung sein, dass die Menschen ein Leben in Würde führen können. Die Ergebnisse einer Studie über das Verhältnis von Jungen und Alten hat Bundesfamilienministerin Renate Schmidt in Auftrag gegeben. Die Politik scheint von den Ergebnissen überrascht, dass innerhalb der Familien tatsächlich doch soziale Verantwortung praktiziert wird. Die ältere Generation unterstützt Kinder und Enkel mit Geld und Rat, während Kinder und Enkel umgekehrt Eltern und Großeltern versorgen und pflegen. So weit so gut! Aber zu einem Thema wird geschwiegen: Wie geht die Politik mit der immer größer werdenden Gruppe ohne dauerhaften Partner und ohne Kinder um? Da liegt Handlungsbedarf.

Das Ergebnis der Studie ist auch, früh im Leben damit zu beginnen, "soziale Netze" zu knüpfen. Das bestätigt eine der wichtigsten Zielsetzungen unserer Organisationen. Denn unsere Verbände stehen nah bei den Menschen - unsere Ideen bringen sie zusammen. Unsere Seminare und Themenabende bieten ihnen nicht nur neue Erfahrungen und Erkenntnisse sondern auch das Gefühl, dazu zu gehören. Sie erfahren die Gemeinsamkeit - in einer Gruppe, bei Gleichgesinnten, in kirchlicher Gemeinschaft.

Unsere Aufgabe ist es "nur" noch, dafür zu sorgen, dass unser Angebot weiter bekannt wird und diese Menschen uns kennen lernen, sich für uns und unsere solidarischen und christlichen Ideen erwärmen. Dafür, nämlich neue Mitglieder oder Interessierte zu gewinnen, brauchen wir viele gute kreative Ideen. Lasst uns damit beginnen und dieses Jahr 2004 nutzen, für das große Ziel der Sozialen Gerechtigkeit zu werben und Mitstreiter zu finden.

 

Brunhild Bald, Bundesvorsitzende des BVEA