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Glauben

Sackgasse der Evolution

Wenn Gott aufhört, euch anzusprechen und ihr seinen Anspruch nicht mehr hören wollt, dann ist euer Leben letztlich ohne Ziel und Sinn. Schrottplatz - Bild von Eva-Maria Kramer

Muss in einer Zeit, in der es an pessimistischen Zukunftsprognosen für die Menschheit nur so wimmelt und Katastrophenfilme jeder Art die Kassen füllen, jetzt auch noch die Kirche mit ihrer Jahreslosung 2004 in das selbe Horn tuten, statt den Menschen Hoffnung und Mut zu machen? „Himmel und Erde werden vergehen ...!"

Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen. (Markus 13,31)

Ja, gewiss werden sie vergehen! Wir haben keinen Anlass, an den Erkenntnissen der modernen Astrophysik von der zeitlichen Endlichkeit unseres Sonnensystems und damit auch unseres blauen Planeten Erde zu zweifeln. In einigen Zigmillionen - oder sind es Milliarden? - Jahren wird die Sonne zu einer gigantischen Super Nova explodieren, in der auch die Erde verglüht. Na und?

Die Menschheit dürfte davon aber nicht mehr viel mitbekommen. Die dürfte es bis dahin als biologische Gattung nicht mehr geben, weil sie sich längst vorher mit ihren expansiven Lebensansprüchen und ökonomischen Wachstumszwängen endgültig als eine der vielen Sackgassen der Evolution erwiesen und durch die exzessive Ausbeutung und Verschmutzung der Erde ihre eigene Lebensgrundlage zerstört haben wird.

Keiner hat die Vergänglichkeit des Menschen und seiner Welt treffender geschildert als der skeptische Realist Bert Brecht: „Wir sind gesessen, ein leichtes Geschlechte / In Häusern, die für unzerstörbar galten / (So haben wir gebaut die langen Gehäuse des Eilands Manhattan / Und die dünnen Antennen, die das Atlantische Meer unterhalten). / Von diesen Städten wird bleiben: der durch sie hindurchging, der Wind! / Fröhlich machet das Haus den Esser: er leert es. / Wir wissen, dass wir Vorläufige sind / Und nach uns wird kommen: nichts Nennenswertes." (Vom armen B.B., 1933)

Vor die Wahl gestellt, wem ich meine Liebe schenken sollte, dem Wandelbaren und Vergänglichen oder dem Unvergänglichen, ewig Bleibenden, - meine Wahl (ich gebe es ehrlich zu) wäre klar. Das Veränderliche, das dem stetigen Wandel unterworfen ist, das mir jeden Tag in einem neuen Licht erscheint und von dem ich weiß, eines Tages wird es ein Ende haben, reizt mich viel mehr als das Dauerhafte, immer Gleiche und Bleibende, auf dem das ganze Gewicht der Ewigkeit lastet. Als wirklich schön erfahre ich nur, was seine Zeit hat, sie mit mir teilt, sich mit ihr verändert, sich am Ende schließlich als vergänglich erweist: ein Gedicht, ein Musikstück, das einen Anfang hat, dahinfliesst und mit seinem letzten Wort und Ton verklingt; eine Reise mit tausend ständig wechselnden Bildern und Eindrücken; die Begleitung eines Kindes von seinen ersten Lautäußerungen und Schrittchen durch Kindheit und Jugend hinein in die Bewährung im Lebensalltag. All das ist nicht ewig, nicht bleibend, sondern an die Zeit gebunden und mit ihr vergehend, aber eben deshalb schön. Und von ihm leben wir. Ja, meine Wahl fiele auf Himmel und Erde, auch wenn sie vergehen werden. Oder gerade weil sie vergehen werden? Ich möchte mich an dem freuen, was unmittelbar vor meinen Füßen liegt, und möchte es nutzen. „Fröhlich machet das Haus den Esser: er leert es."

So ging es übrigens auch dem ungenannten Jünger, dessen spontane und begeisterte Bemerkung auf den Anblick des Tempels in Jerusalem die ganze, düstere Rede Jesu vom Ende dieses Tempels und von dem der ganzen Welt ausgelöst hat: „Und als er aus dem Tempel ging, sprach zu ihm einer seiner Jünger: Meister, siehe, was für Steine und was für Bauten!" (Markus 13, 1).

Aber was hat Jesus denn nun dieser Freude über den Zauber und die Pracht des Tempels entgegen zu setzen? Nur seine nüchterne und durch die geschichtlichen Ereignisse schon nach wenigen Jahren bestätigte Voraussage: „Nicht ein Stein wird auf dem anderen bleiben ..." (Vers 2)? Nur seinen skeptischen Realismus: „Himmel und Erde werden vergehen"?

„Meine Worte aber werden nicht vergehen."

Was aber kann Jesus damit meinen? Welches seiner vielen Worte wird bleiben? Alle zusammen oder so etwas wie die Quintessenz alles dessen, was er gesagt hat? Was aber wäre dann dieser Kern?

Das haben wir ja inzwischen gelernt, dass auch das Hören auf die Worte Jesu (wie auf die aller wichtigen Zeugen der Menschheitsgeschichte) ein Hören in der Zeit und damit ein sich ständig veränderndes Hören ist. Jesu Zeitgenossen haben ihn in vieler Hinsicht sicher ganz anders verstanden als wir ihn heute verstehen. Sie lebten ja in einer ganz anderen Welt.

Jesu Wort: immer und zu allen Zeiten dasselbe? Das kann doch wohl nicht sein! Wie könnte es uns dann mitten in die veränderlichen Situationen unseres Lebens hinein immer wieder aufs Neue treffen, - oder wohl auch einmal ganz stumm bleiben? - Besteht das unveränderlich Bleibende allein in der Tatsache, dass wir Menschen (und vielleicht nicht nur wir, sondern die ganze Welt) es nötig haben, immer wieder neu angesprochen zu werden: gefragt, hinterfragt, auf den richtigen Weg gebracht, getröstet, mit einem hoffnungsvollen Wort ermuntert, unseres Lebenswertes gegen alle Zweifel versichert zu werden?

In der Tat, auch wenn die Menschheit heute den Anspruch erhebt, alle von ihr gestellten Fragen selbst beantworten zu können, so müssen wir uns das doch gesagt sein lassen: Wenn Gott aufhört, euch anzusprechen und ihr seinen Anspruch nicht mehr hören wollt, dann ist euer Leben letztlich ohne Ziel und Sinn. Dann bleiben die letzten Fragen offen und ohne Antwort. Dann ist „nichts Nennenswertes" mehr zu sagen.

Doch die Tatsache allein, dass wir, um verantwortlich leben und handeln zu können, darauf angewiesen sind, selbst von einem anderen angesprochen zu werden, kann mit dem Bleiben des Wortes Jesu nicht gemeint sein. Seine Botschaft lautet: Ihr könnt Gottes unbedingter Liebe zu euch Menschen vertrauen. Ihr dürft wissen, dass er euch nahe und unverbrüchlich bei euch ist. Das ist es, was ich euch mit meinem Lebens- und Todesweg in eurer Mitte gezeigt habe. Und weil das so ist, darum braucht ihr keine Angst zu haben, euch auf die unvermeidliche Veränderlichkeit eurer Welt und auf die unerbittliche Endlichkeit eures und allen Lebens einzulassen, auf das Vergehen von Himmel und Erde. Was immer kommen wird, - eure Zukunft ist bei Gott gut aufgehoben. Denn er ist eure Zukunft, wird auf euch zukommen wie ich zu euch gekommen bin. Und dann fällt es auch nicht schwer, sich trotz aller angebrachten Skepsis an der Schönheit der Welt zu freuen.

Dr. Walter Sohn, Präses des BVEA

 

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