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 BVEA Rundschau Ausgabe 1-2004

...aus den Landesverbänden...
afa Bayern

aktionsgemeinschaft für arbeitnehmerfragen
in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern  

Mehr als ein Generationenwechsel


Veränderte Voraussetzungen für alle Arbeitnehmerorganisationen

Wenn man das Jahr 2003 vor seinem geistigen Auge Revue passieren lässt, dann wird neben vielen anderem deutlich, wie gering in der bundesdeutschen Gesellschaft die Bereitschaft zu sein scheint, für Werte wie Solidarität und soziale Gerechtigkeit öffentlich und demonstrativ einzutreten. Die Gewerkschaften (und die christlichen Arbeitnehmerbewegungen) haben dies anhand einer sehr schlechten Mobilisierungsfähigkeit und sinkenden Mitgliederzahlen deutlich zu spüren bekommen.

Um in Zukunft wieder stärker und positiv in das öffentliche Bewusstsein zu rücken, müssen die (christlichen) Arbeitnehmerbewegungen einen Strukturwandel vollziehen, der auf veränderte Ausgangsbedingungen in Politik, Gesellschaft und Ökonomie reagiert. Das ist verbunden mit einem Generationswechsel, der mehr ist als das bloße Ersetzen von älter gewordenen Ehrenamtlichen bzw. Funktionären durch jüngere Nachfolger/innen. Der Göttinger Politologe Franz Walter beschreibt diesen Strukturwandel anlässlich des Bochumer Parteitags für die SPD, der er übrigens politisch nahe steht: „Über einhundert Jahre zog die SPD Zuversicht und Stolz daraus, Partei der Arbeiter zu sein." Für die SPD war die Arbeiterschaft „die Klasse, die den ökonomischen Reichtum schuf, der die gesellschaftliche Zukunft gehörte, in der sich die sozialistische Mission zu erfüllen hatte. (…) Das ehemals aktive Subjekt der SPD, die Elite der Facharbeiterschaft, hat die Arbeiterklasse (jedoch) im letzten Vierteljahrhundert verlassen und ist im Zuge der ersten Bildungsreform in den 1970er Jahren in die akademische Dienstleisterklasse der neuen Mitte aufgestiegen. (…) Aber gerade dieser Aufstieg hat ihr die früheren Kraftquellen und Emanzipationsüberschüsse genommen. Als Partei der entschlossen nach oben drängenden, sozial allerdings blockierten und kulturell ausgegrenzten Facharbeiter war die SPD über viele Jahrzehnte vom Kaiserreich bis Weimar angefüllt von Aufstiegsenergien, kühnen Zukunftsplänen und ambitionierten alternativen politischen Projekten. Ihre Aktivisten strotzten vor Kraft, sprachen noch eine eigene Sprache (…)." Walter kommt zum Fazit: „Der Erfolg frisst die eigenen Voraussetzungen unerbittlich auf. (…) Die Sozialdemokraten haben es geschafft - und eben das macht ihnen zu schaffen." (Süddeutsche Zeitung November 2003)

Allein in der afa Bayern findet man eine Fülle von Biografien, die Walters Analyse eindrucksvoll bestätigen. Als Organisation von Ehrenamtlichen steht die afa Bayern - wie viele andere (christliche) Arbeitnehmerbewegungen auch - damit vor einer dreifachen Herausforderung:

Erfahrungen der afa Bayern

Der afa Bayern gelingt die Bewältigung dieser Aufgabe sicherlich noch nicht gut genug; verglichen mit befreundeten Organisationen stehen wir jedoch nicht am schlechtesten da. Uns ist sehr daran gelegen, diese Debatte innerhalb des BVEA zu intensivieren - ein erster Schritt dazu war die Beiratssitzung Anfang Oktober in Friedewald. Mit diesem kurzen Artikel wollen wir die Diskussion fortsetzen, in der Hoffnung, dass sich andere daran beteiligen. Die Mitgliedsorganisationen des BVEA müssen sich gegenseitig unterstützen und sollten einander positive Erfahrungen mitteilen, damit alle davon profitieren können.

Mitgliedschaft ist eher hinderlich

In sechs Thesen sollen deshalb Ausgangsbedingungen und erste Aktivitäten der afa Bayern zur Bewältigung des beschriebenen Strukturwandels skizziert werden; dies wird ergänzt durch eine Kurzbiografie eines jüngeren Landesvorstandsmitglieds (siehe Kasten):