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18.11.2003

____________________...Aktuelles

BVEA Rundschau Ausgabe 4 - 2003


Zum Geleit

Trotzalledem: Hoffnung und Zuversicht

Kirche muss ihr Wächteramt in besonderer Weise wahrnehmen

Ein politisch unruhiger Herbst nähert sich seinem Ende, ohne dass man sagen könnte: Eine neue Jahreszeit bringt Ruhe und Klärung für ein neues Beginnen. Dafür - und das ist jetzt allen klar und deutlich geworden - hat diese Gesellschaft mehr als zwei Jahrzehnte über ihre Verhältnisse gelebt. Die Konsequenzen sind bitter, aber die Folgen müssen alle tragen.

Schwache werden Opfer dieses Umbaus des öffentlichen Systems

Alle Generationen dieser Gesellschaft werden ihren Teil zur Lösung der öffentlichen Armut beitragen müssen. Dies ist bitter. Die Auswirkungen treffen mal diese und mal jene härter. Da gibt es wenig Hoffnung, sich zu darauf zu vertrösten, es werde schon nicht so schlimm kommen.

Die im letzten halben Jahr des Jahres 2003 abgelaufenen politischen Prozesse lassen allerdings eines erkennen, dass Politik und Öffentlichkeit, Kirchen und Verbände einen Wandel durchgemacht haben. Ob es die Fakten waren, oder die mahnenden Worte der Kirchen, sei dahingestellt. Deutlich ist, dass die Verantwortung für die jüngeren und nachkommenden Generationen verlangt, nicht weiter auf Pump zu leben und unser Glück auf Kosten der Späteren zu genießen.

Das ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite der Medaille betrifft unsere Verantwortung als Christen für die Armen, Schwachen und Behinderten. Sie dürfen nicht das Opfer dieses Umbaus des öffentlichen Systems zum Abbau der Unterstützung werden. Sprach man vor einem Jahrzehnt von der Zwei-Drittel-Gesellschaft, neben der ein Drittel in Armut oder auf dem Wege dahin lebte, so gebietet die Ehrlichkeit zu sagen, dass auch heute noch ein Drittel den besonderen Schutz der Solidargemeinschaft braucht. Die neuesten Zahlen sprechen von 10 Prozent Arbeitslosigkeit - dies ist jedoch nur eine Gruppe der insgesamt Betroffenen.

Wir im BVEA sind dringend aufgerufen, solche zu schützenden Gruppen zu benennen und dafür Sorge zu tragen, dass sie nicht übersehen werden. Wir werden uns für sie in den kommenden Jahren, wenn die eigentlichen Reformen für Renten, für Steuern, für das Gesundheitswesen und für die Lebensvorsorge getroffen werden, einsetzen.

Es ist eine ganz wichtige Aufgabe, dass wir uns in der Kirche und gegenüber der Politik einsetzen, damit eine Ausgewogenheit zwischen der Eigenverantwortung und dem Schutz durch die Solidargemeinschaft erneut hergestellt wird. Es ist zu befürchten, dass die Kirche in diesen Jahren ihr Wächteramt in besonderer Weise wahrzunehmen aufgerufen ist.

Es macht Hoffnung, dass mit Bischof Huber eine Persönlichkeit zum Präses der EKD gewählt wurde, der für Gradlinigkeit und Klarheit der Worte bekannt ist. Die sozialen Anliegen unserer schwierigen Zeit sind ihm nicht verschlossen - auch wenn es noch schlimmer zu werden droht. Mit unseren Glückwünschen zu seiner Wahl verbinden wir die Hoffnung auf eine segensreiche Tätigkeit für unser Land. Wir haben den Wunsch nach guter Zusammenarbeit zwischen ihm und den Ehrenamtlichen des BVEA im Geiste der christlichen Geschwisterlichkeit.

Die großen Reformen, die anstehen, und die ökonomischen Umbrüche, die wir erleben, haben ein Ausmaß erreicht, das alles Erfahrene der letzten Jahrzehnte übersteigt. Infolgedessen gibt es bei der Lösung dieser Probleme kein einfaches parteipolitisches Pro und Contra. Alle Kräfte in den demokratischen Parteien sind gefordert, ihre soziale Verantwortung wahrzunehmen - sei es mehr im Verständnis gewerkschaftlicher Solidarität, wie bei der SPD, oder mehr im Verständnis christlicher Fürsorge, wie bei der CDU oder der CSU. Oder aus einem humanistischen Verständnis sozialer Gerechtigkeit.

Parteien sind gefordert, soziale Verantwortung zu übernehmen

Als Vorsitzende des BVEA nehme ich neben den kirchlichen auch mit diesen Repräsentanten der Politik Kontakt auf, um für das Verständnis sozialer Probleme zu werben bzw. um die Unterstützung für das Anliegen solidarischer Verantwortung für die Arbeitnehmerfragen und für die Schwachen in der Gesellschaft anzusprechen. Ich bin überzeugt, dass alle Mitglieder des BVEA, gleich ob sie sich mehr dieser oder jener Partei nahe fühlen, diese Anstrengungen unterstützen.

Wir gehen als Christen dennoch mit Hoffnung und Zuversicht in die Tage der Besinnung. Nur: Vertrauen dafür haben, dass es schon gerichtet werde, kann nicht der einzige Begleiter sein. Wir werden alle an diesen Problemen hart arbeiten und sehr aufmerksam sein müssen; und wir werden die Gestaltung unserer Zukunft mit allen Kräften begleiten, damit es gut werde.

Ich wünsche allen ein friedfertiges Weihnachtsfest sowie ein gesundes und gutes Neues Jahr!

Brunhild Bald, Bundesvorsitzende des BVEA