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18.11.2003

____________________...aus den Landesverbänden...

EAN Baden

Evangelische Arbeitnehmerschaft Baden


In Frankreich werden noch 300 Salzmacher ausgebildet

Mit der EOP in Saint-Nazaire

"Leben und Arbeiten in St.-Nazaire" (im Süden der Bretagne an der Mündung der Loire in den Atlantik gelegen) war das Motto der diesjährigen Studienreise unserer französischen Partnerorganisation EOP (Equipes Ouvrières Protéstantes).

Nach einem ersten Spaziergang am Strand des Atlantiks sowie an dem kleinen Segeljachthafen wurden die Teilnehmer/innen dieser Studienreise von René Lusseau, dem Vertreter der EOP-Gruppe Nantes, in der Ferien- (Familienfreizeit-) Siedlung "La Sapinière" begrüßt.

Martine Kapp (Strasbourg), EOP-Vizepräsidentin, half beim Übersetzen. In Saint-Nazaire galt der Besuch der Fraternité (Bruderschaft von Saint-Nazaire), wobei eine protestantische Pfarrerin (Titia Koen) die Gäste begrüßte und einige Informationen zur Bruderschaft übermittelte. Danach hielt Charles Nicole, der Stadthistoriker, einen Vortrag unter dem Motto: "Ein Land, seine Menschen und seine Industrie - gestern und heute". Er sprach davon, dass Protestanten aus Schottland sich hier ansiedelten, die protestantische Gemeinde gründeten und der ökonomischen Entwicklung der Region wichtige Impulse gaben. Saint-Nazaire hat etwa 70 000 Einwohner. Die Stadt ist geprägt vom Baustil der 50-er Jahre des 20. Jahrhunderts. Heute befindet sich dort das größte Werftzentrum Frankreichs und ein bedeutender Hafen für den Überseeverkehr. Die Besichtigung der großen Werft, die über 13 000 Menschen beschäftigt war beeindruckend. Zu sehen war ein großes britisches Luxus-Kreuzfahrtschiff für über 5000 Menschen, die "Queen Mary II", kurz vor ihrer Vollendung. Später gab es im Haus "La Sapinière" einen Vortrags- und Diskussionsabend über die "Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung in St.-Nazaire" mit zwei Gewerkschaftsfunktionären, die auf der Werft arbeiten. Die Fragen galten Lebens- und Arbeitsbedingungen, sozialen Leistungen und Mitbestimmungsmöglichkeiten auf der Werft und im Hafen.

Hier siedelten einst protestantische Schotten

Am Samstag sprach Joel Batteux, der Bürgermeister von Saint-Nazaire, ein Protestant und Sozialist. Seit über 50 Jahren ist die Stadtverwaltung in sozialistischen Händen. Joel Batteux sprach über die Zukunft der wirtschaftlichen Entwicklung von Saint-Nazaire. Er zeigte sich stolz darüber, dass kommunale Betriebe sowie Dienstleistungen noch nicht privatisiert werden mussten, sondern im Gegenteil weiter ausgebaut werden konnten, vollkommen gegen den Trend in anderen französischen oder gar deutschen Städten.

Am Nachmittag wurde unweit von Guérande das Dorf der Salzmacher mit dem Salzmachermuseum besichtigt ("Salzmacher" ist in Frankreich ein Handwerksberuf mit über 300 Auszubildenden). Nach vielen Informationen über die mühevolle Gewinnung von Meersalz in den sogenannten "Salzgärten" wurde Guérande, ein mittelalterliches befestigtes Städtchen, besichtigt. Die französischen Freunde/Freundinnen von der EOP würden sich freuen, in Zukunft noch mehr badische/deutsche Gäste bei ihren Aktivitäten begrüßen zu können.

Welch überragende Bedeutung die Schiffbauindustrie für die besuchte Region hatte und hat, soll eine kleine Anekdote verdeutlichen, die uns Anne-Marie Dietsch nach unserer Rückkehr in Colmar erzählte: Der Pfarrer soll bei seinem Gebet "Que Dieu nous mène sur le sentier de la gloire" (Gott möge uns auf den rechten [wörtlich: ruhmreichen] Weg führen) von den Schülern der Region folgendermaßen verstanden und nachgebetet worden sein: "Que Dieu nous mène sur le chantier de la Loire" (Gott möge uns auf die Werft der Loire führen). Beide Sätze werden fast identisch ausgesprochen.

Sabine und Joachim Keim, EAN Baden