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Zahnlos in die Zukunft?

Brunhild Bald und Pfarrer Clemens Holtermann

Gemeinsamer Auftritt: Brunhild Bald, Bundesvorsitzende des BVEA und Pfarrer Clemens Holtermann, Bundesverbandspräses der KAB in Berlin

Veränderungen, wenn sie an die Wurzeln gehen und Biss haben sollen, gehen von der Basis aus.

Voller Enthusiasmus sind wir vom 1. Ökumenischen Kirchentag in Berlin nach Hause zurückgekehrt. Wir haben erfahren, mit welchem Schwung sich die Christen der verschiedenen Konfessionen im gemeinsamen Gespräch und Gebet fanden. Es war nicht nur die Basis, die mitwirkte, sondern die Kirchen waren durch ihre wichtigsten Repräsentanten vertreten. Welch ein Aufbruch!

Kirchentag,

Gesundheitsreform,

Kompetenzzentrum -

alles hat mit uns zu tun!

Doch damit die neuen Ufer nicht zu schnell erreicht werden können, musste der Schimmel der katholischen Amtskirche wiehern und die "falsche", dogmatisch nicht gewollte Annäherung zunächst einmal abstrafen. Beim Abendmahl sollen wir weiter getrennte Wege gehen. Die Einfalt der theoretischen Haarspalterei wird aber nicht auf Dauer Erfolg haben. Sie wird von der Basis, das heißt von uns, nicht angenommen.

Ich bin für den gemeinsamen, natürlich auch kritischen Dialog. Nur so kann das Christentum seine historische Trennung allmählich überwinden. Veränderungen, wenn sie an die Wurzeln gehen und Biss haben sollen, gehen von der Basis aus. Und die hat keine Probleme, miteinander nicht nur zu reden, sondern auch zum gemeinsamen Abendmahl einzuladen.

Biss soll auch die Reform des Gesundheitswesens haben! Nun hat in diesen Tagen eine Übereinkunft zwischen SPD und den Unionsparteien stattgefunden. Das Ergebnis von drei Wochen Verhandlungen wird "Reform" genannt.

Und was ist dabei herausgekommen? Das Übliche. Das, was wir befürchteten. Die Versicherten, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die Kranken und Patienten zahlen den Hauptanteil. Tatsächlich werden die Arbeitgeber entlastet. Diesen Preis zahlen die Versicherten. Aber mehr noch, eigentlich ist es für alle eine Erhöhung der Aufwendungen für Arzt, Arzneien und Krankenhausaufenthalt. Ein weiterer Zuschlag wird die zusätzliche private Absicherung für den Zahnersatz sein. Das wird von der Politik als gerecht und angemessen bezeichnet. Aber die eigentliche Reform des Gesundheitswesens, nämlich das System und die Verwaltung der gesetzlichen Krankenkassen, der Vertragsfreiheit zwischen Kassen und Ärzten, der Kassenärztlichen Vereinigungen, der medizinisch-pharmazeutischen Industrie und der Medikamentenlisten usw. usw., hat nicht stattgefunden.

Eine zahnlose Reform, an der wir noch lange zu kauen haben werden. Ein armseliges Zeugnis politischer Verantwortung der großen Koalition. All diese Probleme sind geblieben.

Nach dieser "Reform" ist vor der eigentlichen Reform, die demnächst mit Sicherheit kommen muss.

Etwas ganz anderes tut sich derzeit, was unseren Verband und die EKD betrifft. Anstoß sind auch hier natürlich die Forderungen nach Kostensenkung und Sparsamkeit. Auch die EKD leidet unter den sinkenden Einnahmen (der Landeskirchen) aus der Kirchensteuer. Das bekommen jetzt auch wir zu spüren. Einige Gespräche zur Sondierung der Interessen und Meinungen haben bereits stattgefunden. Gegenwärtig wird ein Modell diskutiert und vorgeschlagen, ein Kompetenzzentrum zu bilden, in dem das Sozialwissenschaftliche Institut (SWI) in Bochum, die Evangelische Sozialakademie Friedewald, der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA) und der BVEA zusammengeführt werden sollen.

Es gibt Bestrebungen, die ersten drei gemeinsam in Friedewald anzusiedeln und den BVEA in Berlin zu belassen. Der BVEA würde dann neben seinen bestehenden Aufgaben für alle eine wichtige Öffentlichkeitsfunktion wahrnehmen. Synergieeffekte sind erwünscht.

Die EKD wird sich im Herbst mit diesen Überlegungen befassen. Was immer ihre Kriterien nach Rationalität, Effizienz und Kostensenkung sein werden: Die Produktivität und Arbeitsfähigkeit dieser evangelischen Einrichtungen sollten erhalten bleiben. Denn sie vertreten einen Teil der Kirche, der häufig vernachlässigt wird und auch ein Sprachrohr innerhalb der Kirche benötigt: die Vertretung der Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Und in dieser aufregenden Zeit der Veränderungen gab es noch einen Grund sich in Friedewald zu versammeln. Volker Hergenhan, Leiter der Evangelischen Sozialakademie in Friedewald, beging seinen 60. Geburtstag. Auch seiner Unterstützung ist die Entwicklung der Evangelischen Arbeitnehmerarbeit zu verdanken. Ausgleichender Faktor bei Zwistigkeiten, Freund und Vertrauter für unseren Vorstand seit Jahren. Nochmals alles Gute und auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit, wahrscheinlich mit veränderten Rahmenbedingungen.

Hoffentlich hatten Sie erholsame Urlaubstage und bleiben Sie besser gesund!

Ihre Brunhild Bald


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