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Brunhild Bald, Bundesvorsitzende

Die Arbeitszeiten im Handel sind in Bewegung

Die Reform des Ladenschlusses war Anlass für Gedanken über den Sonntag und die Freizeit

Wir sehen klar den seit langem sich vorbereitenden und in seinen Auswirkungen unübersehbaren Wandel in der Gesellschaft, der vielfältige Reformen verlangt.

Vieles wirkt und bewirkt Veränderungen. Es trifft zu, dass einem veränderten Käuferverhalten aus wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Gründen durch eine Modernisierung der ursprünglich aus den 50er Jahren stammenden Gesetzeslage Rechnung getragen werden musste. Allerdings nahm der BVEA dies zum Anlass, dringlich anzumahnen, dass diese Reformen nicht nur unter dem Aspekt "veränderter Lebens- und Konsumgewohnheiten" (Gesetzentwurf der Fraktion der FDP) und im "Prozess des Umdenkens" vor allem für "unternehmerische Freiheit und individuelles Verantwortungsbewusstsein" (Antrag der Fraktion der CDU/CSU) betrachtet und entschieden werden sollte.

Denn es ist eine alte kulturelle Tradition in Deutschland, das Wochenende für Familienbedürfnisse, soziale Kontakte und persönliche Erholung zu nutzen. Vor allem aber ist der Sonntag der Tag, der dem besonderen religiösen Schutz unterliegt, wie das Grundgesetz nicht nur in seiner Präambel nachdrücklich fordert.

Der BVEA sprach sich daher dafür aus, dass als Entscheidungsgrundlage in die Begründung des Gesetzentwurfes die notwendigen religiösen und kulturellen Bedürfnisse der Menschen mit aufgenommen werden. Das Gesetz hat starke Auswirkungen auf unsere derzeitige und zukünftige Gesellschaft.

  1. Wird die Einführung des neuen Ladenschlussgesetzes wirklich neue Arbeitsplätze bringen? Die Erfahrungen seit 1996 lassen dies bezweifeln.
  2. Das gemeinsame freie Wochenende für Familien, für soziale Gruppen und für das Gemeinwesen ist ein anerkannt hohes Gut, das mit der Novellierung weitgehend aufgegeben wird. Die christlich jüdische Tradition des Sabbat, die den Rhythmus zwischen Arbeit und Freizeit eindeutig einteilt, gibt beidem einen hohen Stellenwert. Dieses Gleichgewicht droht erheblich gestört zu werden.
  3. Werden Belastungen für das Verkaufspersonal und deren Familien, denen ohnehin immer größere Flexibilität und immer weniger gemeinsame Zeiten zugemutet wurden, jetzt nicht noch größer? In einer solidarischen Gesellschaft sollte bedacht werden, nicht auf Kosten anderer Vergnügen und Gewinn zu suchen.
  4. Wir haben die Sorge, dass der Schutz des freien Sonntags - der nach der ihm zugrunde liegenden Sabbattradition schon am Feierabend davor beginnt - weiter ausgehöhlt wird, wenn die einen erst spät abends am Samstag von der Arbeit kommen und die anderen bereits wieder am Sonntagnachmittag zum weit entfernten Arbeitsplatz starten. Wir befürchten, dass der Sonntag kaum ausreicht, um die notwendige Erholung zu gewährleisten - er degeneriert zum Wasch-, Reparatur- und Reisetag.
  5. Wann sollen Familien, sportliche Aktivitäten, Vereinsvorstände und Kirchenvorstände, Selbsthilfegruppen - und auch Parteimitglieder zu Sitzungen sich ohne komplizierteste Terminvereinbarungen treffen?

Nach der Verabschiedung ist die Diskussion erst einmal vorbei. Die jetzt entschiedene Gesetzeslösung wird aber neue Begehrlichkeiten wecken. Wir meinen, diese sozialen und kulturellen Zusammenhänge sind lebenswichtig und lebens-fördernd für unsere Gesellschaft und dürfen nicht außer Acht gelassen werden.

Brunhild Bald

Vorsitzende BVEA