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Ich reise - also bin ich...

Eine kleine Deutschlandreise mit Leo, dem international anerkannten Ingenieur und Erfinder aus Riga/ Vom Kölner Dom bis zum Hochkönig im Salzburgerland

Vor wenigen Jahren zeigte uns Leo seine Heimatstadt Riga, den 8oo-jährigen Dom, den feinen Sandstrand der Ostsee. Er beschrieb uns die Weiterfahrt nach Estland. Jetzt luden wir ihn ein zu einer kleinen Deutschlandreise auf vier Volvo-Rädern.

Lettland

Das Land hat 2,4 Millionen Einwohner. Ein Wachstum der Wirtschaft von 7 bis 8 Prozent. Die Währung ist stabil, Inflation und Haushaltsdefizit liegen unter zwei Prozent. Die Staatsverschuldung ist mit zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts niedrig. Es erfüllt wichtige Bedingungen des EU-Beitritts. Die großen Konfessionen: Lutheraner 23,8 %, Katholiken 22,3, Orthodoxe 18,9, Konfessionslose: 30,8 %. Einars Repse, 41, hat die Wahlen gewonnen. Zuvor war er Chef der Zentralbank. Er ist bekennender Lutheraner. Vor der Wahl legte er im Dom zu Riga ein Bekenntnis ab.

"Alles Riga", sagte Leo, wenn er ein Gebäude sah, das ihn an seine Vaterstadt erinnerte. Die alten Viertel der Städte im Baltikum sehen Straßenzügen in Lübeck wie Zwillingsbrüder ähnlich. Die oft räuberische Hanse setzte vor 8oo Jahren hier ihre Markenzeichen. Meist an den Flüssen, oft mit einem Zugang zum Meer. Das lübische Recht gab dem allen einen festen Halt - bis in die Neuzeit hinein.

Die Bomben haben in Köln alle diese Gebäude zerstört. Einige wurden wieder aufgebaut, darunter die ehrwürdige Festhalle, der Gürzenich. Auch hier sagte Leo "Alles Riga".


Wenn Leo aus seinem Leben berichtete, musste ich an den berühmten russischen Pädagogen Makarenko denken. Dieser sammelte nach dem 1. Weltkrieg die vielen Waisen in Lagern, ertrotzte für sie Nahrung und Kleidung. Leos Eltern wurden von den Sowjets erschossen, er wuchs bei den Großeltern auf und besuchte eine deutsche Privatschule. (Gestiftet von dem baltischen Baron von Mensenkampf.) Danach zwei Jahre eine lettische Gemeindeschule und Abschluss in einem Gymnasium. 1941 wurde der 15jährige nach Usbekistan gebracht. Die Betreuer erkannten bald seine Begabungen, er lernte Tischler, machte die Meisterprüfung, besuchte Fachschulen. 1945 konnte Leo nach seiner Rückkehr aus Sibirien das Technikum in Riga mit Erfolg abschließen. (Usbekistan ist heute ein selbständiger Staat, von hier aus wurden die Kämpfer der afghanischen Nordallianz versorgt, als sie gegen die Taliban antraten.)

Den Rhein hinauf

Die Loreley wollten wird sehen, und andere bekannte Städtchen am Rhein. Hinauf bis Worms und Speyer, dann bei Neckarsulm in das Dreistromland der Jagst, Kocher und Tauber. Es ist die Region Hohenlohe-Franken, vollgestopft mit Schlössern, Museen, wunderschönen und angenehmen Landschaften. Dass hier fleißig gearbeitet wird, dieser Eindruck drängte sich selbst dem autofahrenden Beobachter auf. Wie in Bayern und Württemberg, ist hier der Mittelstand zu Hause. Den Neckar hinauf wurde von Daimler das Auto erfunden, und aus Schwäbisch Hall kommen die gebrannten Bausteine, auf die man sich verlassen kann. Eines unserer Tagesziele war Rothenburg ob der Tauber.

Das erste Ziel von Köln aus aber war Koblenz mit dem Deutschen Eck Kaiser Wilhelm I schaut vom hohen Ross auf den Zusammenfluss von Rhein und Mosel, und die alte Festung Ehrenbreitstein blickt friedlich auf das Gewimmel der Touristenhaufen. Gerne wären wir ein Stück weit die Mosel hinaufgefahren.

Es lockten aber die Rheinstätten Loreley, Bacherach, Bingen, Worms und an der Weinstraße Neustadt und Maikammer. (In Maikammer wäre neben dem Wein, der "Goldene Ochse" zu empfehlen.)

Der Dom zu Speyer steckt voller deutscher Geschichte, hier wurden deutsche Kaiser gekrönt. Da kann er mit dem Kölner "Riesen" gut mithalten.

Die Reformation in Lettland

Lettland mit seiner Hauptstadt Riga führte wenige Jahre nach Luthers Bibelübersetzung die Reformation ein. Dass Letten und Esten im Durchschnitt den Deutschen an Bildung und Ausbildung überlegen sind, hängt mit der Reformation zusammen. In den evangelischen Gottesdiensten beider Länder kann zwar nicht jeder Deutsche die Predigt verstehen, Luthers Lieder aber kann er mitsingen. Das haben auch die Jahrzehnte unter den Sowjets nicht gänzlich zerstören können. 1989/9o wurden sie buchstäblich aus beiden Ländern hinausgesungen. Leo war beeindruckt, dass Martin Luther  einst in Worms vor Kaiser und Fürsten standhaft blieb.


Ins Dreistromland

Über Neckarsulm ging es ins Jagstal. Hier saß der Ritter Götz von Berlichingen bis er ausgeräuchert wurde. Die Madonna in Stuppach erforderte Andacht und Bewunderung. Andere Höhepunkte waren in Creglingen a. Tauber der Marienaltar von Tilman Riemenschneider in der Herrgottskirche. In Rothenburg der Heiligblutaltar, auch von Riemenschneider (um 1460-1531). Den Blick auf sich zieht die Abendmahlszene, hier reicht Jesus dem Judas den Bissen.

Heidelberg hatten wir  ausgespart In Rothenburg überraschten uns Scharen von Japanern, Geschäfte und Restaurants machten in ihrer Sprache ihre Angebote. Seit vielen Jahren kommen sie hierher. Es ist "ihre" Stadt in Deutschland.

Wir nähern uns Salzburg

In Grünwald bei München blieben wir drei Tage bei Freunden. Wir fuhren über den Starnberger See, Freund Reinhard zeigte uns dort die Evangelische Akademie Tutzing, er ist Mitglied des Vorstandes der Fördergesellschaft. Alles sehr beeindruckend, die Tagungen sind gut besucht.

In München wurden Parks, berühmte Kirchen  und andere Sehenswürdigkeiten besichtigt.  

 Der Viktualienmarkt erinnerte an Riga. "Aber", so Leo, "so reich an Gemüsen und Obstsorten sind wir Lettland nicht". Aus dem 1. Weltkrieg stehen hier noch alte Zeppelinhallen. Letten und Russen bieten drinnen und draußen ihre Waren an.

Direkt am Rigaer Markt steht die Herz-Jesu-Kirche, hier predigt Pastor Erbert Biksch. Leo zählt sich zu seiner Gemeinde. Biksch spricht und liest deutsch, seine Frau war Gemeindehelferin, sie haben vier Kinder. Er gab sein Amt als stellvertretender Propst auf, er wollte mehr Zeit für seine Gemeinde haben. Von Köln aus organisieren wir Sendungen an ihn, Kleidung und Bücher. Vor allem theologische Kommentare sind gefragt. Geld ist schwierig, die Kosten der Überweisung sind noch sehr hoch. Alle warten auf die EU.


Die Alpen

Lettland und Estland haben landschaftlich etwas Gemeinsames, in ihren Grenzen steht jeweils ein Berg, der um die 300 m hoch ist. Beide ziehen Ausflügler und Spaziergänger an. So ähnlich, dachte Leo, sei das auch in den Alpen.

 

In Riga ist Leo Leiter des Qualitätsmanagements seines Betriebes, die Firma gehört dem Staat. Dreizehn Labors haben den Auftrag, die überall benutzten Messeinheiten zu kontrollieren und zu prüfen. Nach der Rückkehr nach Köln, stand auf seinem Terminkalender ein internationaler Kongress in Turin. Europa wächst auch in der Frage der Maße zusammen.

Sein Arbeitstag dauert zwischen zehn und zwölf Stunden, seine Bezahlung liegt bei etwa zehn Prozent der in Deutschland gezahlten Gehälter. Er ist ein international anerkannter Erfinder, schon in den 5oer Jahren baute er einen der ersten Apparate, die mit Stromstößen Nierensteine zertrümmern konnten. Die Deutsche Gesellschaft der Urologen hat ihn kürzlich geehrt.

Nach dem 2. Weltkrieg verpflichtete ihn Stalin, die erste Rohrpost im Kreml zu bauen. Dabei stand er unter Dauerbeobachtung des Geheimdienstes. Eine lebensgefährliche Arbeit, deshalb ließ er zwei Leitungen installieren. Nur einmal wurde er  geholt, um einen Versager ausfindig zu machen. Er fand den Fehler, sein Leben war gerettet.

Kürzlich sprach ein hoher Beamter Rigas ihn an, er solle ein Maschine bauen, mit der man der Algenplage am Ostseestrand Herr werden könne. "Das ist schon in meinem Kopf  drin", meinte er. "Und wer soll das Dingen basteln", so meine Gegenfrage. "Ich habe schon jemand gefunden", im Winter wollen sie es versuchen.


Zurück in die Domstadt

Unser Bauernhof, wir hatten ihn vor wenigen Jahren entdeckt, lag weitab von der Durchgangsstraße. Es umgab uns nur "hohe Natur", Dackel Max hatte hier freien Auslauf. Unser Rhythmus pendelte zwischen Ausruhen, ein bisschen Wandern, Salzburg und andere Schönheiten genießen, einschließlich der Küche des Landes. Auch hier gab es italienische Restaurants, aber die hatten wir in Köln ja auch. (Wer über die "Plage" Globalisierung klagt, der sollte mal nachsehen, wo es in seiner Stadt, in seinem Land, in der ganzen Welt, keine Pizzarestaurants gibt.( Das wäre auch eine Frage für Günther Jauch z.B.).

Auf dem Heimweg mussten einige hohe Pässe überwunden werden, interessante Tunnel wollten wir meiden. So schlichen wir nun über den Gerlospass, Arlbergpass, Flexenpass, Hochtannbergpass und durchs Zillertal. In Dienten hatte schon der Winter begonnen, im Hochgebirge und von den Pässen grüßte uns aber eine strahlende Sonne. Sie gab den Blick frei. Wir grüßen den Bodensee, fuhren durch die Schwäbische Alb und den Schwarzwald auf Karlsruhe zu. Von dort benutzen wir die Autobahn. Sicher kamen wir in Köln an und dankten Gott für alle Bewahrung.   Leo flog von Frankfurt/Main ab nach Turin und hielt dort sein Referat.

Erwin Ortmann, Köln

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