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Archiv 2002-1  - Rundschau der Evangelischen Arbeitnehmer Ausgabe 1-2002


MVEA
Mittelrheinischer Verband Evangelischer Arbeitnehmer

1930 hatte der Verein 129 Mitglieder
Arbeitnehmerverein feiert und denkt über die Zukunft nach Eine neue Heimat wollten sie sich schaffen und das christlich-soziale Gedankengut in die Fabriken tragen. Das Anliegen derer, die 1901 den Arbeiterverein Frankfurt-Zeilsheim gründeten, hat an Strahlkraft verloren. Hundert Jahre später suchen ihre Nachfolger einen Weg in die Zukunft.

Gründungsmitglieder
Im 19. Jahrhundert war Zeilsheim ein kleines katholisches Dorf, das zu Höchst gehörte. Die in die Höhe schießenden Fabriken, allen voran die Höchst-Farben AG, brauchten auf einmal viele Arbeiter. Die kamen dann auch - vor allem aus dem Handwerk und der Landwirtschaft und bescherten Zeilsheim einen erheblichen Bevölkerungszuwachs.
Die neuen Arbeiter wurden aus den dörflich-familiären Strukturen gerissen, die ihnen bisher Halt geboten hatten. Die Tätigkeit in den Fabriken verstärkte die Entfremdung und Vereinsamung. In dieser Situation gründeten am 15. Dezember 1901 in Zeilsheim 22 evangelische Arbeitnehmer einen evangelischen Arbeiterverein. Man wollte sich eine neue Heimat schaffen, indem man nach Feierabend die Geselligkeit pflegte.

Auf der anderen Seite stand die Weiterbildung der Mitglieder. Die sollte das Selbstwertgefühl der Arbeiter heben und zu einer aktiven Auseinandersetzung mit den Problemen der entstehenden Industriegesellschaft führen. Unter diesen Prämissen entstanden um die Jahrhundertwende zahlreiche konfessionelle Arbeitervereine im ganzen Reichsgebiet. Aus der Politik hielt man sich - im Unterschied zu den Gewerkschaften - von Anfang an heraus.

In den Jahren nach seiner Gründung führte die Entwicklungskurve des Zeilsheimer Vereins steil nach oben. Er war der örtlichen Kirchengemeinde nicht nur verbunden, sondern bildete deren Rückgrat. Wer in den Kirchenvorstand gewählt werden wollte, musste Vereinsmitglied sein. Jugendgruppen, Frauenkreis und Kirchenchor hatten dort ihre Wurzeln und auch die Pfarrer von Zeilsheim und Sindlingen waren im Arbeiterverein engagiert. Eine Theatergruppe fand sich zusammen und eine Gemeindebücherei wurde eröffnet. 1925 gründete der Verein eine Sterbekasse. Für 30 Pfennig im Monat gab es - je nach Eintrittsalter - nach nur drei Monaten Wartezeit ein Sterbegeld von 30 bis 250 Reichsmark. Im Jahr 1930 hatte der Arbeiterverein 129 Mitglieder. Drei Jahre später endete diese Entwicklung abrupt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann auch in den Vereinen die "Gleichschaltung". 1941 stellte der Zeilsheimer Vereine seine Arbeit ein. 

Erst nach Kriegsende konnte man zu den satzungsgemäßen Aufgaben zurückkehren. Der Neuanfang war allerdings schwer. Chor, Frauen- und Jugendgruppen verselbstständigten sich. 1966 zählte der Verein gerade noch 30 Mitglieder. Hinzu kam eine rückständige Satzung, die erst 1975 geändert wurde. Erst danach war es auch für Frauen möglich, stimmberechtigte Mitglieder zu werden.

Innerhalb des Mittelrheinischen Verbandes Evangelischer Arbeitnehmer e.V. ist Zeilsheim der einzig verbliebene Ortsverein. Anderswo sieht es besser aus. Starke Landesverbände wie der von Nordrhein-Westfalen verfügen noch immer über ein dichtes Netz von annähernd 100 Ortsvereinen. Die Dachorganisation, der Bundesverband Evangelischer Arbeitnehmerorganisationen (BVEA) hat heute noch 50.000 Mitglieder in 20 Landesverbänden.

Die Formen des Angebots haben sich in Zeilsheim kaum verändert, die Probleme allerdings auch nicht. Man trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat und verbringt seine Zeit in geselliger Runde. Regelmäßig werden Fachreferenten eingeladen, die dann zu Themen wie "Gewalt im Alten Testament", "Apartheid in Südafrika" oder "Europa und der Euro" sprechen. Der Höhepunkt im Programm des Vereins ist die jährliche Studienreise.

51 Personen gehören dem Arbeitnehmerverein heute an. In der Alterstruktur liegt auch das Kernproblem für die Zukunft. Da ist sich der amtierende Vorsitzende Bernd Blecker sicher: "Wenn es uns nicht gelingt, Jugendliche für uns zu interessieren, werden wir auch nicht überleben". Man hat versucht, thematisch zu reagieren - mit einem Vortrag zum Thema "Gewalt an Schulen". Erreicht hat man die Jugendlichen damit nicht. Auf der nächsten Jahreshauptversammlung wollen die Mitglieder nun beraten, was weiter zu tun ist.

Jörg Echtler

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