Sie sind hier:  BVEA "Archiv 1-2002 / Gerechte Kriege sind zur Utopie geworden"
Zurück ] [ Willkommen ] [ Nach oben ] [ Weiter ]

 Suche:


Archiv 2002-1  - Rundschau der Evangelischen Arbeitnehmer Ausgabe 1-2002


 


Der Frieden als Ernstfall

"Gerechte Kriege sind zur Utopie geworden"

Siehe, ich lege euch vor den Weg zum Leben und den Weg zum Tode. Jeremia 21, 8
Der Prophet Jeremia musste in bitterster Zeit in Juda predigen. Die Stadt Jerusalem wurde von den Babyloniern belagert. Nebukadnezar wollte sie wieder in die Botmäßigkeit zurückführen, nachdem sich seine Obersten mit dem König an der Spitze gegen Babel empört und den Tribut verweigert hatten. Der Prophet mahnt zur Unterwerfung, doch die ägyptenfreundliche Partei am Hofe des Königs erhoffte sich Hilfe aus Ägypten und damit Befreiung von der babylonischen Herrschaft. Der Prophet mahnt, nicht der Kampf kann alles entscheiden, sondern die Einsicht und die Mäßigung.

Wir haben heute in der Welt ebenfalls eine ganz schwierige Zeit. Eine Terrorwelle ohnegleichen hat in den USA zu einem Anschlag geführt, dessen Furchtbarkeit und Grausamkeit kaum überschätzt werden kann. Menschen wurden sinnlos geopfert um eines Machtanspruches willen. Nun erfolgte der Gegenschlag und die katholische Bischofskonferenz in den USA hat diesen Kampf zum "gerechten Krieg" erklärt. Frage: Gibt es dies überhaupt? In unserer evangelischen Tradition kennen wir auch diesen Ausdruck: Luther hat einmal erklärt: "Licet iustum bellum gerere", "Es ist erlaubt einen gerechten Krieg zu führen". Aber kann ein Krieg überhaupt gerecht sein? Vor Jahrhunderten gab es wirklich Überfallkriege, die nur Raub oder Unterdrückung zum Ziel hatten. Sich hier zu wehren, das war wohl ein "gerechter Krieg". Aber passt dies noch in unsere Tage?

Nach den beiden Weltkriegen hat man erklärt, dass ein Krieg nie gerecht sein kann. Auch der reine Defensivkrieg schafft Unrecht und die heutigen Möglichkeiten der Waffen schaffen Zerstörungen in früher ungeahntem Ausmaß, von den unschuldigen Menschen, die darunter zu leiden haben, ganz zu schweigen. Luther würde diesen Satz in unserer Zeit wohl nicht mehr schreiben!

Doch trotz allem hat es zu allen Zeiten Kriege gegeben, auch nach dem zweiten Weltkrieg, der so viel Unheil und Leid gebracht hat. Auch war das Entstehen der heutigen Völker und Staaten stets von Kriegen begleitet. Deshalb müssen wir auch sagen: Das Werden eines Volkes, eines Staates, war wohl stets auch mit Schuld verbunden. Das WIR-Gefühl eines Volkes entstand durch eine gemeinsame Geschichte, durch gemeinsames Schicksal und wohl auch durch gemeinsame Schuld.

Doch leider setzt sich das Kriegsgeschehen, scheinbar legitimiert, fort. Hier wird vom "Gerechten Krieg "gesprochen, dort vom "Heiligen Krieg" (Dschihad). Der Begriff hat seine Wurzeln im Buch der Richter im Alten Testament. Hier werden Feldherrn ("Richter") von Gott berufen um das Volk aus der Bedrückung durch andere Völker, besonders die Philister, zu befreien. - Heute aber ist Krieg eher Vernichtung als Befreiung eines Volkes, da kann man von "gerecht" oder "heilig" beim besten Willen nicht mehr sprechen. Krieg ist vielmehr immer ein Übel, das Ungerechtigkeit und Schuld schafft.

Trotzdem haben wir uns zu fragen: Muss er eventuell doch auch einmal sein? Heute geht es um die Bekämpfung des Terrorismus. Ist das Krieg im herkömmlichen Sinn? Wir müssen sagen: Wenn er sich gegen ein ganzes Volk oder Völker richtet, dann ist er es. Geht es nur um Terrorbekämpfung, dann ist dies kein Krieg, aber es besteht immer die Gefahr, dass mit einer notwendigen Aufgabe auch andere Ziele verfolgt werden. Dann kann die Bekämpfung zum Krieg werden, der Gewalt, Unrecht und Schuld schafft.

Uns fehlen wohl die Informationen und Kenntnisse der tatsächlichen Verhältnisse z.B. in Afghanistan. Wir können endgültig nicht beurteilen, was hier oder auf anderen "Kriegsschauplätzen" geschieht. Aber als Christen müssen wir uns bewusst sein, dass hier auch schuldhaftes Handeln von beiden Seiten der "Kriegsparteien" geschieht.

 Schuld ist da, aber Schuld kann auch neue Schuld nach sich ziehen. Wir können eigentlich nur darum beten, dass alle Auseinandersetzungen möglichst friedlich ausgetragen werden und "heiße" Kriege einmal endgültig der Vergangenheit angehören. Doch ist dies Utopie oder erreichbar? Wird es wirklich einmal möglich sein oder ist der ewige Friede unter den Menschen letztlich nie möglich? Kriege wurden geführt solange es Menschen auf dieser Erde gibt. Aber irgendwann kann dieser durch entsprechende Waffen so weit gehen, dass der Bestand der Menschheit in Frage gestellt ist. Eigentlich sind wir heute schon so weit, würden alle Waffen, die vorhanden sind, eingesetzt, dann könnte dies das Ende der Erde und der Menschheit sein...

Im 2. Petrusbrief 3, 10 lesen wir Folgendes: "Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb in der Nacht, an welchem die Himmel zergehen werden mit großem Krachen, die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden verbrennen." - Es ist dies das alte Bild vom "Weltenbrand". Wir könnten uns heute derartiges vorstellen, manche deuten auch diesen Vers so, dass die Welt durch Atom oder Ähnliches einmal untergehen wird. So sollte man die Bibel nicht aktualisieren, aber wir sollten derartige Sätze doch zur Warnung und zum Nachdenken nehmen. Krieg und seine Folgen sind immer schlimm für die Menschen, nicht nur für die, die es direkt betrifft, sondern im Letzten für die Gesamtmenschheit. "Gerechte Kriege" sind zur Utopie geworden. Bitten wir um Vernunft in unserer Zeit, sonst wird das Ende wirklich nahe sein...

Doch zum Schluss ein Trost: Dieses Erdengeschehen bestimmen nicht wir Menschen allein, Gott ist es, der in allem führt und leitet, und wir dürfen gewiss sein, dass er es so weit nicht kommen lässt. Noch nie ist ein Baum bis in den Himmel gewachsen und dies wird auch in unseren Tagen nicht geschehen. Haben wir Vertrauen, wir werden bestimmt gut geführt werden!

Ekkehard Herrmann, Bundesverbandspräses

nach oben


 WillkommenBundesverband  -  Vorstellung  -  Vorstand  -  GeschäftsstelleImpressum - Landesverbände - TermineBVEA RundschauBVEA  Aktuell"Links"
Inhaltsverzeichnis in Listenform - BVEA-Archiv  

Der BVEA ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich


BVEA

Bundesverband Evangelischer Arbeitnehmerorganisationen e.V.

 Auguststr. 80, 10117 Berlin - Mitte

Tel.: 030  283 95 151 - Fax: 030  283 95 167 - mail: aus spam-gründen mail-adresse als bild