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Archiv 2001  - Rundschau der Evangelischen Arbeitnehmer Ausgabe 4-2001 - Zustand in der Pflege muss sich ändern!

EAN Hessen - Nassau Evangelische Arbeitnehmerschaft Hessen  - Nassau

Gemeinsame Tagung der EAN und der KAB zur Pflegeversicherung

Der Landesvorsitzende der EAN, Wolfgang Jeske, erinnerte in seiner Begrüßung an die Vorkommnisse vom 11. September in Amerika und gab seiner Trauer und seinem Mitgefühl für die Betroffenen Ausdruck.

Barmherziger Samariter, Stahlplastik, MainzDer Vorsitzende der KAB Mainz, Cornelius Veith, betonte in seinem Grußwort, dass unsere Gesellschaft wieder mehr zu einem Miteinander und einem Eintreten für die Schwachen kommen muss. Wenn wir nicht zu einer neuen Orientierung für das Ehrenamt kommen, werde der Egoismus in der Gesellschaft noch mehr zunehmen.


Pfarrer Thedens-Jekel von der Luthergemeinde Wiesbaden hielt die Andacht zum Bibelwort über den barmherzigen Samariter. Er brachte uns eine erweiterte Sicht des Gleichnisses, indem er neben dem Kontext, in dem das Gleichnis steht, auch den Bezug zur Gegenwart sehr eindringlich darstellte.

Referenten waren der Sozialdezernenten der Landeshauptstadt Wiesbaden, Herr Wolfgang Hessenauer, und die Geschäftsführerin der AWO Wiesbaden, Frau Hannelore Richter.

"Zukunft der Altenpflege? -
Nur noch satt und sauber?"

Der Referent betonte, dass er die Einführung der Pflegeversicherung sehr begrüßt. Man muss sich aber im Klaren sein, dass die Pflegeversicherung quasi eine "Teilkaskoversicherung" ist, da sie immer nur einen Teil der Pflegekosten übernimmt. Die oft beklagten Zustände in den Pflegeheimen könne man keinesfalls dem Pflegepersonal anlasten.

Frau Richter beleuchtete die Mängel der Pflegeversicherung aus der Sicht einer betroffenen Fachkraft in Führungsposition. Die Pflegeversicherungen verlangen von den Pflegeeinrichtungen lückenlose Dokumentationen über jeden Handgriff. So ist eine Pflegekraft vor Ort von acht Stunden Dienst mindestens drei Stunden mit der Dokumentation ihrer Tätigkeit beschäftigt. Die Überwachung der Heime durch die Kassen befasst sich in erster Linie mit dieser Dokumentation und beurteilt danach die Qualität der Pflege.

Die Pflegesätze werden ohne Rücksicht auf die tarifliche und lokale Situation festgesetzt. Es gibt einen Katalog, in dem die Mindestanforderungen an Pflegeeinrichtungen verzeichnet sind. Die Versicherungen sind nicht bereit, auch nur eine Stelle darüber hinaus zu bezahlen. Hieraus resultiert auch die ständige Unterbesetzung in den Heimen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Anteil an Schwerpflegebedürftigen immer höher wird. Das bedeutet für das Pflegepersonal auch größere körperliche und psychische Belastung. Zeit für das, was man unter menschlicher Zuwendung versteht, bleibt dem Pflegepersonal nicht.

Die Pflegesatzverhandlungen gestalten sich sehr schwierig. Häufig kann dabei von vertrauensvollem Miteinander kaum mehr die Rede sein, man hat vielmehr das Gefühl, mit einem Gegner zu verhandeln, der oft auch nicht vor rüden Bemerkungen zurückschreckt.

Bei all diesen Missständen in der Pflege ist jetzt die Politik gefragt. Der Zustand in der Pflege muss sich ändern. Bundesweit sollte der Pflegeberuf attraktiver gestaltet werden, damit man das Defizit von 30.000 Pflegekräften decken kann. Auch wäre es an der Zeit, einmal die Pflegekasse zu prüfen.

Frau Richter wies darauf hin, dass zukünftig auch mehr ausländische Bürgerinnen und Bürger in die Pflegeheime kommen werden, da nicht so viele Menschen in ihre Heimat zurückkehren wie erwartet worden ist. Für diese muss man Pflegekräfte einsetzen, die deren Kulturkreis kennen, das bedeutet, dass man auch junge Menschen aus anderen Kulturkreisen zum Pflegeberuf animieren müsste.

Die Teilnehmer verabschiedeten eine Resolution zur Pflegeversicherung, die an Landespolitiker in Hessen und Rheinland-Pfalz gegangen ist.

Klaus Hollweg. EAN Hessen-Nassau

Resolution zur Pflegeversicherung

1.Die Evangelische Arbeitnehmerschaft in Hessen und Nassau und die KAB Mainz unterstützen die Forderungen für eine menschliche Pflege der Arbeitsgemeinschaft der freien und behördlichen Wohlfahrtspflege.

2.Dazu brauchen wir eine Präzisierung der Leistungsbeschreibungen und, dort wo notwendig, eine sofortige Novellierung des Pflegeversicherungsgesetzes, die folgende Eckpunkte haben sollte:

- Leistungsgerechte Pflegesätze, die den alten Menschen beste Pflege sichern, den Einrichtungen eine qualitativ hochwertige Pflege ermöglichen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern attraktive Arbeitsbedingungen schaffen.

- Deutliche Erhöhung der Leistungen des Gesetzes zur Verbesserung pflegerischer Qualität und zur Entlastung der Sozialhilfe, notfalls unter Inkaufnahme höherer Beiträge.

- Anpassung der Entgelte an steigende Kosten, ohne dass deshalb Marktfaktoren und Wettbewerb ausgeschlossen werden.

- Aufnahme der Verrichtungen in den Leistungskatalog, die den speziellen Bedürfnissen seelisch Behinderter und Dementer entsprechen.

- Gesicherte Berücksichtigung der für die einzelnen Angebotsträger bindenden Tarifverträge bei der Festsetzung der Entgelte.

- Qualitätssicherungssysteme, die Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter bewusst in die Analyse der eigenen Leistungen einbeziehen.

- Bessere Investitionsprogramme zur Instandhaltung und Marktstärkung bestehender Einrichtungen.

Wiesbaden, den 06. Oktober 2001

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