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Presseerklärung der EAB-NRW und des BVEA

Diakonie auf der Seite der Unternehmer

Das war's dann wohl mit der Gemeinschaft von Kirche und Diakonie

Es genügt nicht, wenn die Kirchen die wirtschaftlichen und sozialen Strukturen und die Verhaltensweisen der darin tätigen Menschen thematisieren. Sie müssen auch ihr eigenes Handeln in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht bedenken. Das kirchliche Engagement für Änderungen in der Gesellschaft wirkt um so überzeugender, wenn es innerkirchlich seine Entsprechung findet". (61243).

Diese begrüßenswerte wie selbstverständliche Feststellung im Sozialwort der Kirchen (Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit 1997) findet im unternehmerischen wie auch tarifpolitischen Gebaren der Diakonie wenig Entsprechung. Man könnte sagen, ein Satz aus dem Sozialwort wie dieser "Die Kirchen ... können nicht Maßstäbe des wirtschaftlichen Handelns formulieren und öffentlich vertreten, ohne sie auch an sich selbst und das eigene wirtschaftliche Handeln anzulegen" (61244) wird durch die unternehmerische Strategie der Diakonie gegenstandslos gemacht.

Seelsorge ist praktisch nicht mehr Aufgabe der Diakoniestationen, weil sie nicht abgerechnet werden kann.

Die Diakonie legt das Gewand des sozialen Vorreiters ab. Unternehmerisches Denken ist gefragt. Die Gemeinsamkeit zwischen Kirche und Diakonie, das Miteinander von Verkündigung, Seelsorge und sozialpolitischer Verantwortung droht zu zerbrechen.

Veränderte sozialpolitische Rahmendaten und betriebswirtschaftliche Gründe werden angeführt. "Jüngste Änderungen der Sozialgesetzgebung, die die Erfüllung der sozialen Aufgaben und Dienstleistungen nach dem Marktprinzip umzugestalten versuchen, stellen Diakonie und Caritas vor erhebliche Probleme. Alles diakonische Tun aber den Gesetzen des Marktes zu unterwerfen, ist weder der Sache noch den Menschen dienlich." (61250) Letzteres jedoch ist in zunehmendem Maße zur Praxis der Diakonie geworden. Sie sieht sich auf dem Feld der sozialen Dienstleistungen einem harten Konkurrenzkampf ausgesetzt. Wo die Diakonie früher gesellschaftlich und gesetzlich privilegiert war, befindet sie sich nun in Konkurrenz mit privaten Anbietern.

Als Folge ist zu beobachten, dass Kirche und Diakonie auseinander driften. Ein fragwürdiger Prozess und nicht ungefährlich für beide, für die Kirche und die Diakonie. Auffallend, dass man sich schon daran gewöhnt hat, in zwei Kategorien - oder zutreffender in zwei Unternehmen zu denken. Dabei richtet die Diakonie ihr Augenmerk auf die Refinanzierbarkeit ihrer Dienste. Was nicht refinanzierbar ist, wird "outgesourced". Seelsorge ist praktisch nicht mehr Aufgabe der Diakoniestationen, weil sie nicht abgerechnet werden kann. Die skurrile Vorstellung drängt sich auf, dass in den Häusern der Diakonie in Zukunft auch gottesdienstliche Räume in gemeindliche Trägerschaft gegeben werden, da die Unterhaltungskosten sich unternehmerisch nicht rechnen.

Nur so geht das im Verhältnis von Kirche und Diakonie nicht. Sie sind ‑ der Begriff sei erlaubt ‑ ein Unternehmen mit unterschiedlichen Bereichen. Zu ihrer Legitimation und Akzeptanz sind sie aber aufs engste aufeinander angewiesen. Verkündigung und Seelsorge werden für Menschen greifbar in der Diakonie und die Diakonie ihrerseits hat ihr eigenes Qualitätsmerkmal und Recht in der Verbundenheit mit dem kirchlichen Auftrag. Doch damit scheint nun Schluss zu sein.

Teilnehmer des Wirtschafts- und Sozialpolitischen Ausschusses des BVEA in Würzburg:v.l.-Werner Künkler,EAB NRW - August Krüger, EAN Hannover - Wolfgang Schifner, Förderverein BVEA - Pfr.Helmuth Thal, EAB Mecklenburg-Vorpommern - Wolf Roßkamp, EAN Baden - MatthiasGehlhar, BVEA
Einige Teilnehmer des Wirtschafts- und Sozialpolitischen Ausschusses des BVEA in Würzburg:v.l.-Werner Künkler,EAB NRW - August Krüger, EAN Hannover - Wolfgang Schifner, Förderverein BVEA - Pfr.Helmuth Thal, EAB Mecklenburg-Vorpommern - Wolf Roßkamp, EAN Baden - MatthiasGehlhar, BVEA

Die Diakonie verabschiedet sich von sozialethischen und sozialpolitischen Positionen der Kirche. Sie geht auf den Markt der sozialen Dienstleister und kämpft um ihre beherrschende Marktposition. Diakonie sucht ihre Stärke auf der Unternehmerseite. Teile der Diakonie haben sich bereits dem Arbeitgeberverband angeschlossen.

Das Festhalten am sogenannten "Dritten Weg" der kirchlichen Tarifpolitik - ohne Gewerkschaften, aber bei Übernahme der Tarifverträge im öffentlichen Dienst (BAT KF) ist von der Diakonie nicht mehr gewollt. Jedenfalls will man die Gemeinsame Tarifkommission verlassen oder zwei unabhängige Kammern bilden (ARK Kirche und ARK Diakonie, die nur um den Anschein einer grundlegenden Dienstgemeinschaft zu vermitteln, noch unter einem Dach bleiben.

 Das war's dann wohl mit der Gemeinschaft von Kirche und Diakonie, die bisher bei vielen Menschen noch immer zu einer positiven Wahrnehmung von Kirche geführt hat, von der Diakonie nicht wegzudenken ist, und umgekehrt der Diakonie ihre Identität als Dienst der Kirche gegeben hat.

Das Miteinander von Verkündigung, Seelsorge und sozialpolitischer Verantwortung droht zu zerbrechen

Ein respektables Unternehmen ist die Diakonie auf dem gefragten Markt der sozialen Dienstleistungen. Gewaltige Vermögenswerte bestehen - überwiegend mit öffentlichen Geldern finanziert - 140 000 Beschäftigte allein in Rheinland, Westfalen und Lippe. Die Diakonie ist eine Macht sozialpolitisch und kirchenpolitisch. Sie ist sich dessen bewusst, aber sie verlässt die Rolle einer sozial- und beschäftigungspolitischen Anwaltschaft. Statt dessen fordert sie Niedriglohngruppen, Dumping-Löhne, die vor allem Frauen treffen. "Das Diakonische Werk Deutschland ist bereits Vorreiter bei Niedriglohngruppen (für Hauswirtschaft und Technik) und damit beim Lohndumping. Ist das die Umsetzung des Sozialworts der Kirchen? Senkt die Diakonie das Lohnniveau, eröffnet sie eine Dumping-Spirale für alle. So macht sie die bei ihr Arbeitenden zu Beschäftigten zweiter Klasse. Sollen soziale Dienstleistungen unattraktiv werden?" (Initiative MAV & Arbeitsgemeinschaft Gesamtausschuss in der Evangelischen Kirche im Rheinland).

 Im Sinne einer gerechteren Verteilung von Arbeit und der Solidarität mit Arbeitsuchenden ist dem Sozialwort der Kirchen zuzustimmen: "Besondere Beachtung verdienen Vorschläge, die auf maßvolle Einschränkungen beim Gehalt von kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den mittleren und oberen Gehaltsgruppen zielen" (61245). Die Diakonie will aber das Band der Löhne und Gehälter spreizen, um es auf der unteren Ebene zu senken und in der Führungsebene zu erhöhen.

Pfarrer Salzbrenner
Pfarrer Salzbrenner, neuer Beauftragter für Arbeitnehmerarbeit in Würzburg verdeutlichte als Gast den WISO-Teilnehmern die Situation des Evangelischen Arbeitervereins Würzburg, gegr.1854

Kirche und Diakonie sind der größte Arbeitgeber in Deutschland, damit haben beide arbeitsmarkt- wie tarifpolitisch einen nicht zu unterschätzenden Einfluss. Und es ist nicht zu verstehen, dass sie diese Stärke nicht einsetzen im Interesse einer leistungs- und sozial gerechten Bezahlung ihrer Beschäftigten und somit zu einer gesamtgesellschaftlichen Signalwirkung beitragen. Statt dessen übernimmt die Diakonie die Vorreiterrolle für Dumpinglöhne. Es drängt sich der Verdacht auf, dass es der Diakonie weniger um ein vorbildliches unternehmerisches Handeln geht als vielmehr um eine marktbeherrschende Position als sozialer Dienstleister.
Um so deutlicher ist die Mahnung von Bischof Huber zu hören, dass Kirche und Diakonie aufeinander angewiesen und untrennbar sind: wie die Verkündigung ihre Entsprechung im diakonischen Handeln hat, so bedarf die Diakonie wiederum der Legitimation durch die Verkündigung. Es wäre fatal, wenn der Eindruck entsteht, dass für die Diakonie der Faktor Produktivität zum obersten Glaubenssatz geworden ist.

Als Arbeitgeber gehören Kirche und Diakonie in die erste Reihe, wenn es um Tarifgerechtigkeit geht. Lässt sich dies nicht gemeinsam auf dem sogenannten kirchlichen "Dritten Weg" realisieren, müssen sie mit den Gewerkschaften zusammengehen. In Nordelbien und Brandenburg gibt es solche Versuche.

Wenn Kirche und Diakonie die Sorge um Menschen als ihre Aufgabe verstehen, dann gehört dazu auch die Sorge und das Streiten für Beschäftigung und leistungsgerechte Bezahlung, öffentlich und im eigenen Haus.

Die Forderung des Sozialwortes der Kirchen darf durch die Praxis kirchlicher Arbeitgeber nicht zur Sonntagsrede verkommen.

Gesellschaftspolitischer Ausschuss der EAB - Nordrhein-Westfalen Wirtschafts- und Sozialpolitischer Ausschuss des BVEA im Juli 2001

Seelsorge ist praktisch nicht mehr Aufgabe der Diakoniestationen, weil sie nicht abgerechnet werden kann. Das Miteinander von Verkündigung, Seelsorge und sozialpolitischer Verantwortung droht zu zerbrechen.

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