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3. Europäisches Evangelisches Arbeitnehmertreffen

Drei Wirtschaftsarten für ein Europa

New Economy, Solidarwirtschaft, Euro - Mediterranes - Projekt waren Thema in Sète

Equipe Ouvrière Protestante (EOP) aus Frankreich

Knapp 70 Mitglieder der Equipe Ouvrière Protestante (EOP) aus Frankreich, der Evangelischen Arbeitnehmerschaft Baden, der EAN Saar, der EAN Pfalz, der EAN Niedersachsen sowie von einer entsprechenden Organisation aus Estland trafen sich in Sète, einer Hafenstadt direkt am Mittelmeer, um sich Gedanken über neue Wirtschaftsarten für ein gemeinsames Europa zu machen.

Christian Apotheloz, Journalist aus Marseille stellte den Bereich der New Economy vor, Jaques Prades, Professor aus Toulouse, zeigte Möglichkeiten einer Solidarwirtschaft auf und Daniela Chereches vom Projektteam "Euro-Mediterranes-Projekt" erläuterte dieses an Hand eines Videos und weiterer Untersuchungsergebnisse.

Organisation von Betrieben heute unabhängig von bestimmten Standortfaktoren

Das Wirtschaftsleben als solches nahm laut Christian Apotheloz seinen Anfang als der Mensch begann Waren zu produzieren, die über den reinen Eigenbedarf hinaus reichten. Die Produktion zur Befriedigung lebensnotwendiger Bedürfnisse war bis Ende des 19. Jahrhunderts gegeben. Die wirtschaftliche Entwicklung zu Beginn des letzten Jahrhunderts brachte es dann mit sich, dass Güter unabhängig von den Jahreszeiten hergestellt werden konnten, die industrielle Revolution drängte die reine Landwirtschaft in den Hintergrund. Durch die Industrie war somit die Möglichkeit einer Ausbeutung von Mensch und Natur gegeben. Im 20. Jahrhundert fand zudem eine Revolution im Informationswesen statt und so entstand eine von Zeit und Raum unabhängige, immaterielle Wirtschaft. Er verwies darauf, dass die Organisation von Betrieben heute unabhängig von bestimmten Standortfaktoren erfolgen kann. Durch diese Änderung der Rahmenbedingungen für eine Produktion entfällt für die Menschen auch der Sicherheitsfaktor, dauerhaft mit einer Region verwurzelt bleiben zu können. Derzeit findet ein Bruch statt zwischen denen, die die Kenntnisse und Möglichkeiten haben, sich global Informationen zu beschaffen und solchen, die diese Möglichkeiten nicht haben. Gerade wir als Christen sind aufgerufen, diese Entwicklung aufmerksam zu verfolgen und darauf hinzuwirken, dass uns der ferne Nächste zum nahen Nächsten wird.

Die solidarische Wirtschaft muss an Stelle des derzeitigen Wirtschaftssystems treten

Jaques Prades steht einer Vereinigung vor, in der soziale Initiativen zusammengefasst sind, die sich als Gegengewicht zur vorherrschenden Wirtschaftsart verstehen. Sie sehen sich derzeit jedoch nicht als Alternative zur heutigen Wirtschaft, sondern als ein Teil von ihr. Deren Mitarbeiter versuchen für die betroffenen Menschen, seien es Existenzgründer, Aussteiger oder andere Benachteiligte einen Mittelweg zu finden zwischen staatlicher Unterstützung einerseits und sozialer Wirtschaft andererseits. Jaques Prades nennt einige Beispiele, wie z.B. Tauschringe, Wohnprojekte u.a. Alle Bereiche befinden sich auf legalem Boden. Seiner Meinung nach haben sich die sozialen Institutionen des vergangenen Jahrhunderts zunehmend an das derzeit herrschende Wirtschaftssystem angeglichen und haben es versäumt, auf Alternativen hinzuwirken und sind so in die Rolle von "Pflegestationen" des Staates geschlüpft. Heutzutage findet innerhalb der Wirtschaft eine derartige Umschichtung statt, welche eine weitere Verschlechterung der Eingliederung sozial Benachteiligter nach sich zieht. Von daher muss langfristig die solidarische Wirtschaft an Stelle des derzeitigen Wirtschaftssystems treten. Jaques Prades sieht im Internet einen konservativen Versuch die Wirtschaft zu steuern, wie es seinerzeit Henry Ford mit seiner Fließbandproduktion versucht hatte, was aber nie zu einer dauerhaften und alternativen Produktionsart geführt hatte. Durch das Entstehen derartiger Initiativen in ganz Europa zeigt sich, dass das herrschende Wirtschaftssystem keine Zukunft hat.

Ein gänzlich anderes Modell stellte den Teilnehmern Daniela Chereches vom Projektteam "Euro-Mediterranes-Projekt" vor. Dieses Projekt ist eines von drei zur Revitalisierung von Marseilles. Mit einem Gesamtaufwand von 6 Mrd. Euro sollen innerhalb der nächsten 10 Jahre mehrere Stadtteile revitalisiert werden. Marseilles bietet sich auf Grund seiner geografischen Lage und seiner Offenheit anderen Völkern gegenüber für ein derartiges Projekt an. So sollen auf wirtschaftlich nicht mehr genutzten Industrieflächen und in wirtschaftlich desolaten Gebieten neue Industrie- und Gewerbeflächen sowohl für die New Economy als auch für Handwerks- und Gewerbebetriebe im herkömmlichen Sinn eingerichtet werden.

Revitalisierung verschiedener Stadtteile wird massiv forciert

Zusätzlich sollen in diesen Gebieten Wohnungen renoviert und zusätzliche Freizeitangebote installiert werden. Neben der Sanierung der Marseiller Altstadt existieren als weitere Projekte die Revitalisierung der nördlichen Stadtteile sowie das vorgestellte "Euro-Mediterranes-Projekt". Hierbei geht es um die Nutzung von ehemals zur Tabakindustrie gehörenden Gebäuden. Innerhalb kurzer Zeit konnten dort im Theater- und Showbereich bereits mehrere Betriebe mit ca. 300 MitarbeiterInnen angesiedelt werden. Dieser Teil soll bis Ende 2002 abgeschlossen sein. Weitere 1000 Arbeitsplätze im Kommunikationsbereich erhofft man sich in diesem Gebiet auf Grund der Anschlussmöglichkeit an ein Unterseekabel in die USA.

Im Rahmen des Gesamtprojektes erhalten die nördlichen Stadtteile Verbesserungen im Wohn- und Arbeitsumfeld sowie bei den Einkaufsmöglichkeiten. Durch die Sanierung der Altstadt soll sich Marseilles international zu einem besonderen Anziehungspunkt entwickeln. Wie überall, wo durch politisch gewollte Maßnahmen die Menschen vor Ort betroffen sind, muss ein Austausch zwischen den zuständigen Behörden und den Menschen stattfinden. Dies ist auch Ziel der einzelnen Projektteams.

Jean Dietsch Industriepfarrer, Guy Bottinelli Ehem.Leiter EOP, Armand Beck EANIn den Diskussionsrunden, die die Bereiche "New Economy", "Solidarwirtschaft" und "Euro-Mediterranes Projekt" zum Inhalt hatten, wurde deutlich, dass ohne entsprechende Weichenstellungen seitens der Politik der Mensch auf der Verliererseite stehen wird. Nur in einem Miteinander von Behörden und Betroffenen lassen sich Veränderungen zum Wohle Aller herbeiführen. Weder kann die Politik einseitig etwas durchsetzen, noch können die Betroffenen ohne die Politik etwas bewirken.

Guy Bottinelli, ehemals Industriepfarrer aus Lyon, schlug in seiner Zusammenfassung den Bogen hin zum christlichen Glauben. Die Evangelischen Arbeitnehmer, die aus der traditionellen Arbeitswelt hervorgegangen sind, müssen sich bei den Betroffenen kundig machen, den Rat von Fachleuten anhören und für die neue Entwicklung ein geistiges Verständnis entwickeln. Die Equipe Ouvrière Protestante und die Ev. Arbeitnehmerschaft bedeuten für ihn innerhalb der Arbeitswelt einen Hafen zum Austausch immaterieller Werte.

Peter Wagner, EAN Baden

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Zum Abschluss dieser hoch informativen Tagung organisierte die EOP Gruppe aus Marseilles ein traditionelles occitanisches Fest mit Musik und Tanz aus den Regionen des südlichen Frankreichs
 

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