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Christ und Staat - ein schwieriges Verhältnis

Zunächst möchte ich meiner Freude darüber Ausdruck geben, dass ich auf eine meiner Betrachtungen in der "Rundschau" eine Reaktion erhalten habe. Zeigt dies doch, dass diese Betrachtungen gelesen und auch kritisch durchdacht werden. Dass man in Oberhausen die Meinung geäußert hat, dass man Artikel von Theologen nicht korrigieren dürfe, kann ich eigentlich nur bedauern. Auch Theologen sind Menschen und ihre Aussagen stehen genauso zur Diskussion wie jeder andere Beitrag, auch Theologen sind nicht "unfehlbar". Doch zu den Ausführungen der beiden Leserbriefe:

Herr Wekeck wirft mir einen "autoritären Konservatismus" vor. Das halte ich für falsch, denn es geht in dem Artikel nicht um eine Gehorsamsforderung um jeden Preis , sondern um die Feststellung des Apostels Paulus, dass jedermann untertan sei, - und damit fahre ich selbst fort: damit nicht Chaos und Anarchie entstehen. Wir brauchen einen Staat als Ordnungsmacht, zunächst einmal unabhängig von seiner Handlungsweise. Diese ist ein zweiter Punkt. Paulus sah den Staat von Gott gesetzt - damit aber wurden nicht alle Handlungsweisen des Römischen Reiches und seiner Handlanger als göttlich gesetzt angesehen. Widerstand war auch damals schon vorhanden.

In unserer Zeit gibt sich das Bild anders: Auch wir brauchen eine Obrigkeit, sonst ginge es drunter und drüber und es würden uns radikale, widergöttliche Mächte beherrschen und wir müssten "Kadavergehorsam" leisten oder untergehen. Dem ist aber nicht so: Die Obrigkeit wird von uns gewählt und wir haben immer ein Mitspracherecht, haben die Pflicht und Möglichkeit zu kritisieren und abzulehnen, wenn diese Obrigkeit nicht sauber handelt. Der Gedanke von Herrn Krome aus Hannover ist hier sehr gut, dass es eine Obrigkeit aller Obrigkeiten geben müsste, geprägt von einem christlichen Gewissen, die dann alle anderen Obrigkeiten bestimmen könnte. Das war der Gedanke des Völkerbundes und der UNO, doch hier stehen nicht christliche, sondern meist einzelstaatliche Interessen im Vordergrund, also eine Pervertierung des ursprünglichen Gedankens. Auch würden nicht alle Staaten christliche Gedanken anerkennen, besonders die islamischen Länder haben oft ihre eigene Auffassung, gegründet auf ihr islamisches Recht, die Scharia.

Dass auch die Kirchen oft in ihrem Wächteramt gegenüber dem Staat versagt haben, ist leider traurige Wahrheit. Doch sah es 1933 zunächst so aus, als wenn hier ein Neuanfang in Deutschland nach den Demütigungen in den zwanziger Jahren geschehen wird. Nur wenige haben gesehen, wohin dies alles führt. Was wir heute wissen bis hin zum Jahre 1945, das war nur schwer zu erkennen. Aber wissende Menschen haben Widerstand geleistet, sowohl in kirchlichen wie auch in militärischen Kreisen (20. Juli 1944!).

Zusammenfassend muss man sagen: Obrigkeit ist von Gott gesetzt als eine Notwendigkeit für das Zusammenleben der Menschen. Damit ist aber nicht gesagt, dass diese Obrigkeiten nach göttlichem Maßstab handeln und uns zu einem totalen Gehorsam verpflichten, hier haben wir alle mitzureden. Herr Wekeck schreibt: "Permanente Wachsamkeit und gegebenenfalls aktiver Widerstand gegenüber jeglicher "Obrigkeit' ist unsere Pflicht. Dieser Verantwortung gegenüber den Menschen dürfen wir uns nicht verschließen." Dieser Satz ist gut, doch wie muss man "aktiven Widerstand" verstehen? Diskussion, Mahnung, Protest gegen Übergriffe usw., das ja, aber es darf nicht in Gewalt und Tyrannenmord ausarten, denn dann schaffen wir wieder neues Chaos, widersprechen auch der Einstellung Jesu, der sich nicht mit Gewalt gegen den unterdrückenden Staat wandte. Das taten andere z.T. selbsternannte "Messiase" seiner Zeit von Judas Makkabäus (166/165 v.Chr.) bis hin zu Bar Kochba (132/143 n.Chr.). Er rief den Menschen in die Nachfolge und zu Gott. Und dazu sollten wir unsere "Obrigkeit" auch rufen, damit sie handelt allein zum Wohl der Gesamtheit und nicht zum Vorteil Einzelner. Seien wir so treue Wächter im Namen Gottes und Jesu Christi.

Ekkehard Herrmann

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